MESS
Störungen und Abweichungen
und das, was sich nicht normieren lässt.
MRRN Mess ist eine typografische Serie über fehlerhafte Systeme, verschobene Ordnungen und die fragile Illusion von Kontrolle. Sie bewegt sich zwischen Messung und Mess, zwischen Anspruch und Realität, zwischen Struktur und Zerfall.
MRRN MESS ist aus einer einfachen Beobachtung entstanden. Dass wir ununterbrochen messen. Zeiten, Leistungen, Wirkungen, Reichweiten, Körper, Gefühle, Erfolge. Alles wird quantifiziert, verglichen, bewertet. Die Welt wird lesbar gemacht, indem man sie in Zahlen, Raster und Normen zwingt. Doch je genauer wir messen, desto sichtbarer wird das, was sich der Messung entzieht.
Die Serie MRRN MESS setzt genau dort an. Nicht bei der perfekten Typografie, nicht bei der sauberen Ordnung, nicht bei der beruhigenden Klarheit. Sondern bei der Abweichung. Bei fehlerhaften Buchstaben. Bei kippenden Systemen. Bei Layouts, die aus dem Gleichgewicht geraten sind. M, R, R und N sind die einzigen konstanten Elemente. Alles andere ist instabil.
Die Arbeiten wirken wie Protokolle eines Systems unter Stress. Buchstaben überschneiden sich, kippen, drehen sich, verlieren ihre Orientierung. Fonts wechseln, widersprechen sich, kollidieren. Es entsteht kein Chaos aus Willkür, sondern aus Überforderung. Zu viele Regeln. Zu viele Erwartungen. Zu viel Messung.
MESS ist keine dekorative Serie. Sie will nicht gefallen. Sie will sichtbar machen, wie fragil Ordnung ist und wie schnell Präzision in Starrheit kippt. Sie fragt, was passiert, wenn Systeme an ihre Grenzen stossen. Wenn Normen versagen. Wenn Kontrolle zur Illusion wird.
Gleichzeitig ist MESS eine Selbstbeobachtung. Als Gestalter, als Mensch, als Teil eines ökonomischen und kulturellen Systems, das Effizienz über Sinn stellt. Die Serie akzeptiert den Fehler nicht als Mangel, sondern als Information. Als Spur. Als Zeichen von Leben. Als Zelebration des Unvollkommenen.
MESS bedeutet nicht nur Messung. MESS ist vor allem Unordnung. Schmutz. Störung. Reibung. Und genau dort entsteht Bewegung. Jedes Sujet ist Teil einer offenen Reihe. Keine Entwicklung auf ein Ziel hin. Keine finale Form. Sondern Variationen eines Zustands. Immer wieder neu gemessen. Immer wieder neu verschoben. Immer wieder fehlerhaft.
MESS ist kein Kommentar von aussen. Es ist ein Zustand von innen.

