Mürren

mon Amour

Zwischen Höhenluft und Herz

Eine Liebeserklärung. An den Ort, das Leben in der Höhe. An Gedanken. Hier treffen Höhenluft, Herz und Horizont aufeinander. Zwischen Bergnebel und Klarheit über das, was bewegt. Innen wie aussen. Über Mürren als Idee, als Zwischenort, als Möglichkeit.

 
Transit Daniel Frei Transit Daniel Frei

Salz und Schnee.

Schnee fällt. Salz bleibt zurück. Das eine deckt zu. Das andere dringt ein.

Schnee fällt. Salz bleibt zurück. Von weitem wirken beide weich und fast lautlos. Erst auf Metall, Stoff, Haut oder Asphalt zeigt sich, wie unterschiedlich sie arbeiten. Das eine deckt zu. Das andere dringt ein.

Salz und Schnee. Illustration: Daniel Frei

Beide machen Oberflächen heller. Der Unterschied zeigt sich später. Schnee fällt geräuschlos. Salz entsteht durch Rückzug. Wasser verschwindet. Etwas bleibt zurück.

Auf schwarzen Jacken sehen beide zunächst ähnlich aus. Kleine helle Partikel auf Stoff. Erst beim Darüberfahren mit den Fingern wird der Unterschied klar. Schnee schmilzt. Salz kratzt.

Im Winter liegt eine dünne Schicht auf den Treppen vor dem Haus. Schnee am Morgen. Salz eine Stunde später. Das eine deckt zu, das andere greift an. Geländer reagieren sofort. Schnee macht Metall kalt. Salz macht es stumpf.

Auf Autos bildet sich derselbe matte Film wie am Meer. Trockene Ränder an Türen, Rückstände auf Scheiben, feine helle Linien entlang der Karosserie. Die Luft arbeitet mit.

Schnee verändert Geräusche. Verkehr wird leiser. Schritte dumpfer. Räume kleiner. Alles wirkt gedämpft, selbst Stimmen.

Salz macht das Gegenteil. Es knirscht. Unter Schuhen. Zwischen Steinplatten. Auf Asphalt. Es erzeugt Reibung. Selbst trockene Hände beginnen irgendwann danach zu klingen.

Am Meer bleibt Salz auf der Haut zurück. In den Bergen Schnee an den Schuhen. Auf Hosenrändern. Auf dem Boden im Gang. Kleine weisse Spuren, die sich in der Wohnung verteilen.

Beides trocknet aus. Lippen. Hände. Holz.

Im Winter springen Heizungen an, während draussen Schnee liegt. Am Meer trocknet Wind die Haut, obwohl überall Wasser ist. Zwei verschiedene Systeme. Dasselbe Resultat.

Licht verhält sich ähnlich. Schnee überbelichtet Landschaften von unten. Salzflächen machen fast dasselbe. Konturen verlieren Schärfe. Übergänge werden flacher. Der Blick beginnt, Details zu verlieren.

Von weitem wirken beide weich. Nicht aus der Nähe.

Schnee bricht Äste. Salz frisst Metall. Dächer geben nach. Reissverschlüsse ebenfalls. Nichts daran wirkt aggressiv. Bis die Spuren sichtbar werden.

Am Abend trocknen Schuhe neben der Heizung. Eine helle Linie bleibt am schwarzen Rand der Sohle zurück.

Man weiss nicht mehr genau, woher sie stammt.

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