Mürren Mon Amour
Zwischen Höhenluft und Herz
Eine Liebeserklärung. An den Ort, das Leben in der Höhe. An Gedanken. Hier treffen Höhenluft, Herz und Horizont aufeinander. Zwischen Bergnebel und Klarheit über das, was bewegt. Innen wie aussen. Über Mürren als Idee, Projektion, Zwischenort, Möglichkeit.
Biber.
Nicht am einsamen Fluss, nicht in wildester Wildnis, unter der Brücke beim Bahnhof Zürich.
Salz und Schnee.
Schnee fällt. Salz bleibt zurück. Das eine deckt zu. Das andere dringt ein.
Soleïade.
Ich dachte, Zeit entstehe durch Veränderung. Am Meer verliert diese Vorstellung ihre Autorität.
Mal de débarquement.
Das Wasser endet nicht am Ufer. Es verlagert sich. In den Körper. In den Schritt. Und voraus, in die Gondel nach Mürren.
Am Meer.
Ich wollte eigentlich immer schon ans Meer. Wegen dieser stillen Verschiebung, in der Dinge ihre Ordnung verlieren, ohne auseinanderzufallen.
Stromausfall.
Jede Vereinfachung ist eine Verdichtung. Von Verantwortung. Von Last. Von Risiko. Vorübergehend nur noch diese eine Linie, die alles trägt. Und alles entscheidet.
Dunge isch scho Früehlig
Unten ist der Frühling längst angekommen. Oben hält der Winter die Stellung. Dazwischen liegt ein Weg, der mehr ist als nur eine Strecke ins Unterland.
Migration.
Mürren lebt von Migrationen. Von jenen, die täglich durchs Dorf ziehen, und jenen, die nur einmal im Jahr erscheinen. Von Tieren, Gästen, Zweitwohnenden, Saisonierenden und den Einheimischen, die das Ganze zusammenhalten.
Wenn es auf Bali regnet und in Mürren schneit.
Auf Bali beginnt die Regenzeit. In Mürren beginnt der Winter. Dort fällt Wasser in Tropfen, hier in Flocken. Beides dasselbe Element, in unterschiedlichen Aggregatzuständen, verschiedenen Temperaturen, verschiedenen Geschichten.
Heimweh.
Menschen haben ein Zuhause. Andere haben mehrere. Oder keines. Zwischen diesen Zuständen spannt sich ein stilles Drama, das wir «Heimweh» nennen.
Ich wollte eigentlich immer ans Meer.
Ein leiser Text über Sehnsucht, Stillstand und das Bleiben. Über das Meer als Metapher für Ferne und den Berg als Schule der Nähe.
Weggehen und Heimkehren, von Mürren aus betrachtet.
Mürren: Wer hier lebt, lebt zwischen Himmel und Erde, zwischen Abgrund und Geborgenheit. Wer hinuntergeht, ahi gaht, lässt nicht einfach nur einen Ort zurück, sondern eine Welt. Und wer wieder heraufkommt, uehi chunt, kehrt nicht nur heim, sondern zurück zu sich selbst.
Inseln in der Zeit
Auf den Azoren beginnt ein Gedanke, der über das Meer hinweg nach Mürren führt. Zwei Orte verbunden durch dasselbe leise Gefühl: Abwesenheit.
Anfahrt.
Ein langsames Herauslösen aus Geschwindigkeit, Dichte und Gewissheit, und wer ankommt, hat bereits begonnen, sich zu verändern.

