Mürren Mon Amour
Zwischen Höhenluft und Herz
Eine Liebeserklärung. An den Ort, das Leben in der Höhe. An Gedanken. Hier treffen Höhenluft, Herz und Horizont aufeinander. Zwischen Bergnebel und Klarheit über das, was bewegt. Innen wie aussen. Über Mürren als Idee, Projektion, Zwischenort, Möglichkeit.
Karthago.
In Rom soll Cato seine Reden mit dem Satz beendet haben, Karthago müsse zerstört werden; in Mürren gibt es dieses Verfahren ebenfalls.
Winterfit.
In Mürren beginnt der Winter nicht mit dem ersten Schnee, sondern mit einem Termin beim Mechaniker.
Tannengrün.
Die Farbpalette des Dorfes ist überschaubar. Braun. Grau. Verwittert. Und dann steht da dieses Haus.
Luftgespräche.
Täglich gleiten Gleitschirme an meinem Fenster vorbei. Die wenigsten schweben lautlos durch die Landschaft.
Summen.
In Mürren lernt man auch, die Berge mit den Ohren zu lesen. Das Dorf besitzt eine eigene Tonspur.
Arbeitspferde.
In anderen Regionen ziehen Arbeitspferde Wagen, Pflüge und Holzstämme. In Mürren tragen sie die Kennung HB-ZUZ.
Glas.
Geschlossen ist in Mürren nur eine Momentaufnahme. Ein Dorf, das gerade nicht empfängt, sondern innehält. Genau darin beginnt eine andere Form von Begegnung.
Zwei Sonnenaufgänge.
Zwei Sonnenaufgänge an einem Morgen. Einer hoch oben, weit, still und umfassend. Einer unten in Mürren, näher, tastend, beinahe intim.
Don’t eat the yellow snow.
Neongelb ist in Winter-Mürren keine Farbe, sondern ein Ereignis. Ein Signal. Ein kurzer Riss in der weissen Ordnung. Über Warnfarben, Rettungshubschrauber und die kleinen, ehrlichen Zeichen des Lebens.
Winterferien.
In den Winterferien ist Mürren ein anderes Dorf. Dasselbe Panorama, dieselben Häuser, dieselben Berge. Aber es verschiebt sich etwas. Der Takt. Der Atem. Die Lautstärke.
Zwischen dem, was trägt, und dem, was berührt.
Mürren ist kein Ziel, sondern eine Schwelle. Wer hier ankommt, lässt mehr zurück als Strecke und Höhenmeter: Tempo, Lärm, Gewissheiten.
Hôrs-Saison.
Die Hôrs-Saison liegt über Mürren wie eine zweite Schneeschicht. Sie dämpft die Geräusche, verlängert die Schritte, öffnet Räume, die in der Hochsaison immer schon belegt sind, bevor man überhaupt weiss, dass man sie gebraucht hätte.
Wandel und Veränderung.
Hier oben in Mürren wandelt das Wetter. Es zieht, es reisst auf, es fällt nieder. Wolken kommen, Wolken gehen. Die Sonne taucht durch ein Loch im Nebel, als hätte sie vergessen, dass sie noch da ist.
Migration.
Mürren lebt von Migrationen. Von jenen, die täglich durchs Dorf ziehen, und jenen, die nur einmal im Jahr erscheinen. Von Tieren, Gästen, Zweitwohnenden, Saisonierenden und den Einheimischen, die das Ganze zusammenhalten.
Nachts sehe ich nur Stille.
Sie fällt leise, wenn sie fällt, die Nacht über Mürren. Weder Tosen noch Poltern, auch kein Hupen, keine Sirenen, kein Scheinwerfergewitter. Nur dunkel, einfach dunkel, das sich ausbreitet wie ein samtenes Tuch.
Dem Himmel ganz nah.
Mürren ist keine Flucht. Mürren ist Erinnerung. An das, was zählt. An das, was bleibt. Und an das, was sich nicht in Worte fassen lässt, sondern nur in einem Blick nach oben.
Je vis au Paradis.
Ein Satz wie ein Bergbach: klar, einfach, wahr. Gesagt von Päsci, mehr als Koch der alten Metzg, während er mit ruhigen Händen und einem warmen Lächeln den Dampf aus den Kochtöpfen steigen lässt.

