Luftgespräche.

Täglich gleiten Gleitschirme an meinem Fenster vorbei. Manche schweben lautlos durch die Landschaft. Andere führen währenddessen Gespräche. Über das Mittagessen. Über die Ferien. Über das Wetter. Über alles Mögliche.

MRRN: Luftgespräche. Fotografie: Daniel Frei

Von meinem Fenster aus kann ich sie beobachten. Sie kommen von der Schilthornseite. Von Birg. Von Mürren. Einige ziehen lautlos vorbei. Die meisten sprechen. Manchmal höre ich nur einzelne Wörter. Manchmal ganze Sätze. «Und links sieht man jetzt …», «Wow.», «Das ist unglaublich.», «Hast du die Kühe gesehen?»

Oder: «Nachher gehen wir noch etwas essen.» Die letzten Meter eines Fluges scheinen für manche Menschen ein guter Moment zu sein, um Pläne für das Mittagessen zu schmieden.

Das fasziniert mich.

Da schwebt man mehrere hundert Meter über dem Lauterbrunnental. Vor einem Eiger, Mönch und Jungfrau. Unter einem die Wiesen. Die Wälder. Die Wasserfälle.

Und trotzdem bleibt genug Raum für Small Talk.

Die eigentliche Leistung des Menschen. Er nimmt sich selbst überallhin mit. Auf Berge. Auf Schiffe. In Flugzeuge. Und offenbar auch unter Gleitschirme.

Die Landschaft erhält dadurch etwas Beruhigendes. Sie muss nicht konstant beeindrucken. Sie darf einfach da sein. Während zwei Menschen über Rösti sprechen. Oder über Kuchen. Oder über die Frage, ob es morgen regnen wird. Oder wie die Schweiz gefällt.

Manchmal hebt jemand die Hand und grüsst auf eine Terrasse hinunter. Gelegentlich wird sogar «En Guete!» gewünscht. Dann gleitet der Schirm weiter Richtung Stechelberg. Das Gespräch ebenfalls.

Das gefällt mir an diesen Luftgesprächen. Die Berge gewinnen zwar fast immer. Aber sie müssen nicht jedes Mal recht behalten.

 
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Gewitter.