Graustufen.
Nach Sonne, Hitze und Aussicht zeigt sich Mürren heute in Graustufen. Nebel zieht durchs Dorf. Regen fällt auf Dächer und Wiesen. Der Wind übernimmt die Strassen. Nicht alle bedauern das.
Der Tag beginnt in verschiedenen Schattierungen von Grau. Die Berge sind nahezu verschwunden. So auch das Tal. Selbst die vertrauten Orientierungspunkte tauchen nur noch gelegentlich aus dem Nebel auf, bevor sie wieder verschwinden.
Regen fällt auf Dächer, Balkone und Wanderwege. Der Wind zieht durch die Bäume. Die Fahnen haben wieder etwas zu tun. Nach den vergangenen Wochen wirkt das ungewohnt.
Die Sonne hatte Überstunden geleistet. Tag für Tag. Woche für Woche. Mit ihr kamen die Gäste. Die Wandernden. Die Fotografierenden. Die Terrassenbesetzer. Die Aussichtssuchenden.
Heute macht alles eine kleine Pause. Die Fernsicht ebenfalls.
Niemand fotografiert einen Nebelvorhang mit derselben Begeisterung wie Eiger, Mönch und Jungfrau. Darin liegt ein Reiz. Der Nebel verlangt nichts. Er will nicht beeindrucken. Er verdeckt mehr, als er zeigt.
Das ist eine Wohltat. Das Dorf leiser. Die Wege leerer. Die Bewegungen langsamer. Die Landschaft tritt einen Schritt zurück. Für ein paar Stunden genügt es, dass sie einfach da ist. Grau. Kühl. Nass. Windig.

