Mürren Mon Amour

Zwischen Höhenluft und Herz

Eine Liebeserklärung. An den Ort, das Leben in der Höhe. An Gedanken. Hier treffen Höhenluft, Herz und Horizont aufeinander. Zwischen Bergnebel und Klarheit über das, was bewegt. Innen wie aussen. Über Mürren als Idee, Projektion, Zwischenort, Möglichkeit.

 
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Herbstboten.

Die ersten Herbstboten tragen Rucksäcke und fahren wieder ins Tal.

Der Herbst kündigt sich hier nicht erst mit bunten Blättern an. Die ersten Herbstboten tragen bunte Rucksäcke und fahren wieder ins Tal. Es werden langsam weniger.

MRRN: Herbstboten. Fotografie: Daniel Frei

Die Bäume lassen sich Zeit. Auch das Gras weiss noch nichts Genaueres. Dafür werden die Ströme dünner.

Nicht plötzlich. Es gibt keinen Tag, an dem der Sommer abreist und der Herbst übernimmt. Noch immer kommen sie ab Vormittag, ziehen durch das Dorf, bleiben stehen, schauen, fotografieren und gehen weiter, meist hinauf.

Aber zwischen den Gruppen entstehen Lücken.

Auf den Wegen wird wieder etwas Platz. Aus dem Stimmengewirr werden einzelne Stimmen. Man kann stehen bleiben, ohne selbst sofort Teil eines kleinen Verkehrsproblems zu werden.

Im Unterland kündigt sich der Herbst möglicherweise anders an: ein erstes gelbes Blatt, Kastanien auf dem Boden, Nebel am Morgen, etwas frischer.

In Mürren lässt er sich zunächst an der Personendichte ablesen. Auch die Blätter werden fallen, zuerst aber fällt der Andrang.

 
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Wetter Daniel Frei Wetter Daniel Frei

Niesel.

Manches entzieht sich der Sprache. Weil es zu fein ist. Zu leise. Und zu wenig entschieden.

Manches entzieht sich der Sprache. Weil es zu fein ist. Zu leise. Und zu wenig entschieden.

MRRN: Drizzle. Fotografie: Daniel Frei

Die App sagt: «Niesel». Oder Sprühnebel. Oder Nieselregen. Oder Sprühregen. Wörter, die alle treffen und doch danebenliegen. Sie beschreiben das Phänomen, nicht das Gefühl. Niesel aber ist kein Wetter. Es ist eine Übergangsform.

Zwischen Nebel und Regen.
Zwischen Sommer und Herbst.
Zwischen Sicht und Verschwinden.
Zwischen Berührung und Durchdringung.

Man geht hinaus und merkt es nicht sofort. Kein Regen, der fällt. Nichts Tropfendes, nichts Messbares, ein Schweben eher, ein feiner, zögerlicher Umstand. Der Nebel hat sich entschieden, näher zu kommen, nicht mehr Raum, sondern Kontakt zu sein.

Dann ist er da.

Auf der Haut.
Auf den Wimpern.
Den Lippen.

Eine Idee von Wasser.

Man wird nicht nass. Nicht ‘mal richtig feucht. Doch die Welt bekommt einen Film, spürbar.

Niesel ist Intimität.

Er ist das Gegenteil von Distanz und der Raum zwischen dir und der Welt löst sich auf. Es gibt kein Dazwischen mehr, alles ist leicht verbunden und durchlässig.

In Mürren, wenn das Wolkenmeer steigt und sich in die Wege legt, wird er körperlich. Die Berge treten zurück. Nicht verschwunden, halt weniger insistierend. Der Schwarzmönch wird zur Ahnung, die Jungfrau zur Linie, die sich gleich wieder auflösen könnte.

Und du gehst.

Nicht zielgerichtet.
Nicht verloren.
Einfach darin.

 
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Karthago.

In Rom soll Cato seine Reden mit dem Satz beendet haben, Karthago müsse zerstört werden; in Mürren gibt es dieses Verfahren ebenfalls.

In Rom soll Cato seine Reden mit dem Satz beendet haben, Karthago müsse zerstört werden. Ganz gleich, worum es vorher ging. In Mürren gibt es dieses Verfahren ebenfalls. Nur Karthago wechselt.

Heute Morgen ging es um das Wetter. Dann um eine Kuh auf dem Weg. Dann um den Fahrplan. Dann landeten wir bei den Tagestouristen. Das passiert hier öfter. Man beginnt bei etwas Kleinem und endet zuverlässig bei etwas Grundsätzlichem: Für den einen sind es die Zweitwohnungen, für die andere die Bahnen. Für den nächsten die Hotels. Die Gemeinde. Die Investoren. Die alten Familien. Die neuen Leute. Die Preise. Der Schnee. Der fehlende Schnee. Oder Menschen, die nicht grüssen.

Jeder hat sein Karthago.

Und wie bei Cato spielt es keine grosse Rolle, womit das Gespräch angefangen hat. Man redet über eine neue Speisekarte und landet beim Tourismus. Über eine Renovation und landet bei den Wohnungen. Über den Sommer und landet beim Winter. Über einen Hund und dann bei der Frage, was aus Mürren eigentlich werden soll. Das Dorf ist klein genug, damit alles mit allem zusammenhängt.

Wer sich über Touristen aufregt, spricht oft über Nähe. Wer über Zweitwohnungen spricht, über Verfügbarkeit. Wer über neue Investoren spricht, über Kontrolle. Wer den früheren Zeiten nachtrauert, über Verlust. Und wer Veränderung fordert, meistens ebenfalls. Nur in die andere Richtung. Das macht die Gespräche nicht einfacher, aber verständlicher. Denn jeder verteidigt etwas. Manchmal eine Gewohnheit, einen Vorteil, eine Erinnerung oder tatsächlich das Dorf. Nur eben nicht immer dasselbe.

Das Mürren des Hoteliers ist nicht ganz das Mürren des Einheimischen. Das des Zweitwohnungsbesitzers nicht jenes der Saisonangestellten. Das des Gastes nicht jenes des Bauern. Und das Mürren von gestern ohnehin nicht mehr jenes von heute. Aber alle sprechen vom selben Ort.

Darum braucht jedes Dorf sein Karthago: ein Thema, an dem sich festmachen lässt, was gerade bedroht scheint. Es gibt den Gesprächen Richtung, manchmal einen Gegner, und das ist praktisch. Komplizierter wird es, wenn Karthago verschwände. Denn dann bräuchte es ein neues.

«Ceterum censeo Carthaginem esse delendam.»
Im Übrigen bin ich der Meinung, dass Karthago zerstört werden muss.

Cato hatte es einfacher. Seines hiess immer gleich. Karthago wurde 146 v. Chr. zerstört. Mürren steht noch, die Diskussionen dauern an.

 
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Transit Daniel Frei Transit Daniel Frei

Biber.

Nicht am einsamen Fluss, nicht in wildester Wildnis, unter der Brücke beim Bahnhof Zürich.

Meine erste Bibersichtung überhaupt. Nicht am einsamen Fluss, nicht in wildester Wildnis, unter der Brücke beim Bahnhof Zürich. Zur morgendlichen Stosszeit.

MRRN: Biber. Fotografie: Daniel Frei

Sie kommen an, sie fahren ab. Menschen. Züge. Trams. Velos. Und in der Limmat schwimmt der Biber. Meine erste Bibersichtung überhaupt. Idealisiert hätte ich dafür wohl einen abgelegeneren Ort vorgesehen. Auen, einen stillen Fluss, ‘was mit Wald.

Der Biber hatte andere Pläne, schwamm unter der Brücke, wenige Meter von einem der geschäftigsten, wenn nicht hektischsten Orte Zürichs entfernt. Er wirkte auf mich unbeeindruckt davon. Wie ein weiterer Pendler, nur ohne Gepäck und ohne Fahrplan. Und vermutlich mit der besseren Verbindung.

Wir teilen die Welt gern ein: hier Stadt, dort Natur. Hier Zürich, dort Mürren. Hier Bahnhof, dort Wildnis. Am Biber sind diese Kategorien vorbeigegangen.

Wasser, etwas Ufer, Nahrung: Der Rest ist unsere Angelegenheit. Und plötzlich findet man Wildnis dort, wo man sie nie gesucht hätte.

Heute Morgen also: Zürich Hauptbahnhof, Limmat, Biber. Wohin und ob er musste, ist unklar. Verspätung hatte er keine.

 
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Transit Daniel Frei Transit Daniel Frei

Flohmi.

Zweimal Zermatt, dazwischen Mürren.

Zweimal Zermatt, dazwischen Mürren.

MRRN: Flohmi. Fotografie: Daniel Frei

Flohmi. Man schaut, nimmt etwas in die Hand, stellt es wieder zurück. Dann liegt da Mürren. Unvermittelt. Eine alte touristische Darstellung, etwas abgegriffen, mit Kühen im Vordergrund und Bergen dahinter. Unten gross der Name:

MÜRREN.

Darunter, zur Sicherheit:

BERGBAHN.
1650 M.ü.M.
FUNICULAIRE.
SUISSE.
BERNER OBERLAND.
SWITZERLAND.

Man wollte offenbar keine Missverständnisse.

Darüber lag Zermatt.

Matterhorn.

ZERMATT.

Darunter ebenfalls Zermatt.

Matterhorn.

ZERMATT.

Das Matterhorn brauchte schon damals wenig Erklärung. Ein Berg. Ein Name. Fertig. Mürren musste etwas mehr auffahren. Kühe. Bergwelt. Bergbahn. Höhe. Land. Region. Und nochmals Land, diesmal international verständlich.

Frühes alpines Standortmarketing. Das Matterhorn war bereits eine Marke, bevor irgendjemand von Marken sprach. Mürren erst ein Versprechen, das noch etwas erläutert werden musste.

Das Interessantere war aber etwas anderes. Ich stand mitten in Zürich, ein paar Strassen von meiner Wohnung entfernt, und vor mir lag plötzlich Mürren. Weder gesucht noch angekündigt. Einfach zwischen zwei Zermatts.

Offenbar nimmt man einen Ort so sehr mit sich, dass er beginnt, an anderen Orten aufzutauchen. Auf Flohmärkten, in alten Bildern, in Gesprächen. Ich habe Mürren genommen. Die beiden Zermatts blieben liegen.

Man muss nicht alles sammeln.

 
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Feldnotiz Daniel Frei Feldnotiz Daniel Frei

Mutterkuh.*

Wer das Warnschild erkennt, ist bereits gut unterwegs.

Das Warnschild auf dem Bild wirkt deshalb etwas überflüssig und gleichzeitig sehr nötig. Wer die Verbindung erkennt, ist bereits gut unterwegs.

MRRN: Mutterkuh. Fotografie: Daniel Frei

Die Kleinen fressen, dösen, spielen, stehen etwas abseits oder dicht bei der Mutter. Die Kühe tun, was Kühe tun:

Sie passen auf.

Mutterkühe haben einen ausgeprägten Schutzinstinkt. Kommt jemand der Herde, besonders einem Kalb, zu nahe, kann aus einem friedlich grasenden ziemlich schnell ein resolutes Muttertier werden. Wandernde mit Hunden sind dabei besonders heikel: Hunde können von Rindern als Bedrohung wahrgenommen werden. Die wichtigste Regel:

Abstand.

Nicht zwischen Kuh und Kalb hindurchgehen. Kälber nicht anfassen. Die Herde grosszügig umgehen. Stehen die Tiere auf dem Weg, wartet man, weicht aus, kehrt notfalls um und geht einen Umweg. Der Wanderweg besitzt kein Vortrittsrecht gegenüber einer Mutter.

Meist kündigt eine Kuh an, wenn ihr etwas nicht gefällt.

Sie richtet ihre Aufmerksamkeit plötzlich auf einen.

Hebt und senkt den Kopf.

Schnaubt.

Scharrt.

Muht vielleicht.

Die Herde wird unruhig.

Spätestens dann ist die Diskussion beendet. Ruhig bleiben. Abstand vergrössern. Langsam zurückweichen. Nicht rennen, nicht provozieren, nicht versuchen, doch noch irgendwie durchzukommen. Die Schweizer Wanderwege empfehlen bei Mutterkuhherden ausdrücklich: Distanz halten, Kälber nie berühren, Hunde an kurzer Leine führen. Greifen Kühe einen angeleinten Hund tatsächlich an, Leine loslassen und dem Hund die Flucht ermöglichen.

Das Warnschild auf dem Bild wirkt deshalb etwas überflüssig und gleichzeitig sehr nötig.

Darauf ist eine Kuh.

Daneben stehen Kühe.

Wer die Verbindung erkennt, ist bereits gut unterwegs.

Und wer sie nicht erkennt, sollte vielleicht trotzdem umdrehen.

Die Mutter entscheidet.

*Dieser Text basiert auf Empfehlungen der Schweizer Wanderwege.

 
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Feldnotiz Daniel Frei Feldnotiz Daniel Frei

Whale Watching.

Whale Watching in Mürren, aber die Tiere verhalten sich ausgesprochen scheu.

Whale Watching gibt es auch in Mürren. Die Tiere aber verhalten sich ausgesprochen scheu.

MRRN: Whale Watching. Fotografie: Daniel Frei

Man erkennt die Situation sofort: Ein paar Menschen stehen da. Andere kommen. Jemand hebt das Telefon. Jemand zeigt in die Ferne. Ein Kind schaut hin, wohin alle schauen. Dann stehen sie gemeinsam vor Schwarzmönch, Jungfrau, Mönch und Eiger und schauen.

Was genau ist nicht immer klar.

Vielleicht das Licht. Vielleicht eine Wolke. Vielleicht einen Gleitschirm. Vielleicht einfach die Berge. Es spielt keine Rolle, entscheidend ist mehr die Haltung: Man steht, man schaut, man arrangiert, man wartet. Beim Whale Watching wäre das der Moment, in dem jemand ruft:

Da!

In Mürren ruft selten jemand. Die Hauptattraktion bewegt sich nicht besonders schnell. Sie steht seit einiger Zeit ungefähr am selben Ort. Das macht aber die Beobachtung nicht weniger intensiv. Im Gegenteil.

Man fotografiert. Vergleicht Ausschnitte. Rearrangiert und -inszeniert. Schaut nochmals ohne Kamera. Dann wieder mit ihr, durch sie. Und bleibt dann doch länger stehen, als ursprünglich vorgesehen.

Bisher wurden keine Wale gesichtet.

Die Aussichten gelten trotzdem als ausgezeichnet.

 
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Altkarton.

Abfall hat einen Termin.

Gestern war Altkartonsammlung. Darum stand Mürren voller Schachteln. Sauber gefaltet, ineinandergeschoben, verschnürt und an die Strasse gestellt. Auch Abfall hat hier einen Termin.

MRRN: Altkarton. Fotografie: Daniel Frei

Einmal im Monat kommt der Karton weg.

Das weiss man. Also beginnt das Dorf am Vortag, seine Verpackungen herauszugeben. Schachteln von Lebensmitteln, Lieferungen, Geräten, Umzügen und Dingen, an die sich niemand mehr genau erinnert. Was einst etwas geschützt, getragen oder angekündigt hat, wird flachgedrückt und gebündelt.

Nicht irgendwie.

Ordentlich. Die grossen Schachteln nehmen die kleinen auf. Flache Stücke werden aufeinandergelegt. Eine Schnur hält zusammen, was während eines Monats auseinandergefallen ist.

Am Strassenrand entstehen kleine Archive des Konsums.

Hier wurde bestellt. Dort geliefert. Da ausgepackt. Manche Bündel sind sachlich. Andere ehrgeizig. Einige sehen aus, als könnten sie ohne Weiteres noch einmal umziehen. Bis frühmorgens stehen sie vor den Häusern und warten.

Dann verschwinden sie.

Und Mürren beginnt von vorn, neuen Karton zu sammeln. Monat für Monat. Fein sortiert. Gut gebündelt. Wie es sich für ein Dorf gehört, das seine Reste ordentlich verabschiedet.

 
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Pilz.

Die ersten Pilze stehen wieder im Gras: unentschieden darüber, ob die Saison bereits begonnen hat.

Die ersten Pilze stehen wieder im Gras; vereinzelt, noch etwas vorsichtig. Unentschieden darüber, ob die Saison bereits begonnen hat.

MRRN: Pilz. Fotografie: Daniel Frei

Nach diesem heissen, trockenen Sommer war lange nichts zu sehen. Die Wiesen wurden zwar heller. Der Boden härter. Das Moos spröder.

Aber jetzt plötzlich: ein Pilz.

Breit, dunkel, feucht glänzend. Zwischen Gras, Zapfen und altem Holz. Kein eleganter Vorbote, eher ein kräftiges Lebenszeichen aus dem Boden. Welche Art es genau ist, lässt sich durch mich nicht sicher bestimmen. Für eine Naturbeobachtung genügt zunächst: Er ist da.

Pilze erscheinen ohnehin nie aus dem Nichts. Was wir sehen, ist nur der Fruchtkörper. Der grössere Teil lebt verborgen im Boden, als feines Geflecht zwischen Wurzeln, Holz und Erde. Unsichtbar, bis Feuchtigkeit und Temperatur irgendwann stimmen.

Dann poppen sie auf.

Einer.

Dann vielleicht drei.

Dann überall.

Wie die kommende Pilzsaison wird, weiss noch niemand. Nach einem solchen Sommer könnte sie karg ausfallen. Oder spät. Oder nach einigen Regentagen plötzlich so üppig, als hätte der Wald die ganze Zeit nur gewartet.

Pilze sind in dieser Hinsicht wenig auskunftsfreudig.

Sie machen keine Prognosen.

Sie erscheinen.

Dieser hier hat damit begonnen.

 
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Niidlewouche.

Kurz bevor der Regen über Mürren zieht, wird der Himmel zur Dessertkarte.

Kurz bevor der Regen über Mürren zieht, wird der Himmel zur Dessertkarte. Über dem Lauterbrunnental türmt sich Niidle in wechselnden Zuständen: geschlagen, gerührt, schwer, luftig, mitunter mit Meringue.

MRRN: Niidlewouche. Fotografie: Daniel Frei

«Niidle» heisst Rahm. «Niidelwouche» sind folglich Rahmwolken. Man sieht sie besonders schön, wenn über dem Lauterbrunnental ein Regen aufzieht und der Himmel beginnt, seine Konsistenz zu verändern.

Zuerst ist die Niidle noch weich. Kaum geschlagen. Sie zieht in langen, hellen Bahnen über Eiger, Mönch und Jungfrau und wirkt, als müsste man sie vorsichtig unterheben.

Dann wird sie fester.

Sie türmt sich. Bildet Spitzen. Hält kurz die Form. Geschlagene Niidle und etwas später kippt das Ganze ins Üppige. Die Wolken hängen schwer über den Fels, grau an den Rändern, hell im Innern. Rahmiger Rahm. Zu viel davon. Genau richtig.

Manchmal kommt Meringue dazu.

Hart gezogene Kanten. Weisse Hauben. Dunkle Zwischenräume. Ein Dessert, das unter meteorologischem Druck angerichtet wird. Dann wieder nur Meringue. Trocken aussehend. Zart. Zu schön, zu filigran um wahr zu sein.

Bis es regnet.

In Mürren liest man das Wetter deshalb nicht nur am Himmel. Man beurteilt auch die Konsistenz. Und wenn die Niidlewuouche besonders schön stehen, weiss man: Das Dessert ist fertig.

Serviert wird Wasser.

 
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MRRN Yacht Club Daniel Frei MRRN Yacht Club Daniel Frei

Abschlussbericht.

MRRN Yacht Club

Abschlussbericht

MÜRREN
JULI SEGELWOCHE 2027

7. Juli – 2. August 2027

MRRN: Marina Mürren, 3. August 2027

MRRN Yacht Club

Abschlussbericht
MÜRREN
JULI SEGELWOCHE 2027

7. Juli – 2. August 2027

Mit dem traditionellen Einlaufen der letzten Yachten in die Marina Mürren ist die diesjährige Juli-Segelwoche offiziell beendet.

Während vier Wochen wurden insgesamt drei Regatten sowie mehrere gemeinsame Ausfahrten über das Wolkenmeer durchgeführt. Die meteorologischen Bedingungen erwiesen sich über weite Strecken als ausgezeichnet. Besonders die stabile Wolkendecke während der zweiten Regatta sorgte für anspruchsvolle, aber faire Verhältnisse.

Auch die erstmals öffentlich ausgeschriebene Wolkenmeer-Cruising-Session erfreute sich grosser Beliebtheit. Zahlreiche Besucherinnen und Besucher nutzten die Gelegenheit, den Yacht Club kennenzulernen und die Marina Mürren zu besichtigen.

Die erstmaligen Jugendrennen der neu gegründeten Wave Division zeigten eindrücklich, dass sich der nautische Nachwuchs auch oberhalb der Baumgrenze kontinuierlich entwickelt. Mehrere neue Mitglieder konnten aufgenommen werden.

Der Clubabend sowie die Preisverleihung fanden traditionsgemäss im Hafenmeisterbüro der Marina Mürren statt. Der Commodore würdigte insbesondere den kameradschaftlichen Geist der diesjährigen Segelwoche und dankte allen freiwilligen Helferinnen und Helfern sowie der MRRN Lifeguard für ihren tatkräftigen Einsatz.

Die Marina wird nun auf die ruhigere Herbstsaison vorbereitet. Die Wintereinlagerung der Flotte beginnt planmässig Ende Oktober.

Der MRRN Yacht Club bedankt sich bei allen Mitgliedern, Gästen und Unterstützerinnen und Unterstützern und freut sich auf die MÜRREN WEIHNACHTSREGATTA 2027. Weitere Informationen hierzu folgen auf den bekannten Kanälen.

Marina Mürren

1’650 m above sea level
Founded 1898

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Kreuzotter.

Als ich zurückkam, war sie verschwunden.

Als ich zurückkam, war sie verschwunden.

MRRN: Kreuzotter. Fotografie: Daniel Frei

Heute lag eine Kreuzotter am Wegrand. Sie hatte den Platz schon lange vor uns reserviert. Ich ging die Kamera holen.

Als ich zurückkam, war sie verschwunden.

Das unterscheidet sie von den anderen Schlangen in Mürren. Den Gästeschlangen. Vor der Schilthornbahn. Vor dem Buffet. Vor der Gondel. Vor der Kasse. Dort, wo Aussicht, Kaffee oder ein Souvenir versprochen werden. Sie bleiben. Sie rücken langsam vor. Manchmal stundenlang.

Die Kreuzotter dagegen kennt den besseren Moment.

Sie erscheint. Sie verschwindet.

Und überlässt uns das Anstehen.

 
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1. August.

Mürren trägt heute Schweiz.

Mürren trägt heute Schweiz.

MRRN: 1. August. Fotografie. Daniel Frei

An Balkonen, Hauswänden und Zäunen hängen Fahnen, Girlanden und andere Zeichen der Zugehörigkeit. Ob das Patriotismus ist oder Folklore, lässt sich von aussen weder beobachten noch entscheiden. Man muss es auch nicht.

Das Dorf: geschmückt.

Rot und Weiss an den Häusern. Kleine Fahnen in Blumenkästen. Girlanden über Eingängen. Stoff, Papier, Kunststoff. Die Schweiz in verschiedenen Formaten.

Manche Dekorationen hängen vermutlich jedes Jahr am selben Ort. Andere wurden eigens für heute hervorgeholt. Zusammen ergeben sie ein Dorf, das für einen Tag etwas deutlicher sagt, wo es liegt.

Oder wozu es gehören möchte.

Patriotismus ist ein grosses Wort. Folklore das etwas bequemere. In Mürren liegen beide nahe beieinander.

Die Fahne kann Bekenntnis sein. Gewohnheit. Gastfreundschaft. Dekoration. Erinnerung. Oder schlicht etwas, das am 1. August dazugehört, wie Feuer, Musik und der Geruch von Grilliertem.

Zugehörigkeit beginnt ohnehin selten mit einer klaren Überzeugung. Dafür mit Wiederholung.

Mit demselben Fest.

Denselben Farben.

Denselben Liedern, selbst wenn nicht mehr alle mitsingen.

Am Abend werden die Girlanden im Wind hängen, die Fahnen vor den dunklen Bergen leuchten und irgendwo wird jemand erklären, was die Schweiz ausmacht.

Das Dorf hat seine Antwort bereits aufgehängt.

Allenthalben.

Und ein wenig schief.

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Feldnotiz Daniel Frei Feldnotiz Daniel Frei

Lila.

Das Grün wird matter, das Gras trockener, die Hänge brauner: jetzt übernimmt Lila.

Der Sommer zieht sich langsam aus den Wiesen zurück. Auch wenn dies der Hitze noch nicht mitgeteilt wurde. Das Grün wird matter, das Gras trockener, die Hänge brauner. Und ausgerechnet jetzt übernimmt Lila.

MRRN: Lila. Fotografie: Daniel Frei

Im Frühling beginnt Mürren mit Gelb und Weiss. Dann kommt das satte Grün. Später Blau, Rot, Rosa und alles, was eine Bergwiese während einiger Wochen aufzubieten hat.

Im August aber verändert sich die Farbordnung.

Das Gras verliert an Glanz. Die Halme werden strohig. Die Wiesen sehen aus, als hätte der Sommer beschlossen, nicht mehr täglich frisch zu erscheinen.

Und dann taucht Lila auf.

Punktuell. In kleinen Inseln, einzelnen Köpfen, Glocken, Rispen und ganzen Sträuchern. Besenheide, Witwenblume, alpine Glockenblume und das Wald-Weidenröschen. Botanisch haben sie wenig miteinander zu tun. Farblich aber haben sie sich abgesprochen.

Die Besenheide bleibt niedrig und verteilt ihr Violett grosszügig über den Boden.

Die Witwenblume steht einzeln da, rund und ordentlich, als hätte sie einen Termin.

Die Glockenblume hängt etwas nach unten und wirkt, als wüsste sie bereits, dass der Sommer nicht ewig dauert.

Das Weidenröschen dagegen kennt keine Zurückhaltung. Es blüht hoch, rosa-violett und mit der Energie einer Pflanze, die auch aus einer gerodeten Fläche noch eine Bühne macht.

Zusammen geben sie den verbraunten Wiesen einen Lilastich. Nicht genug, um den Sommer zurückzubringen. Aber genug, um seinen Abgang mehr als anständig zu gestalten.

Deshalb ist Lila die richtige Farbe für diese Wochen. Nicht mehr ganz Sommer. Noch lange nicht Herbst. Eine Farbe dazwischen.

Mürren trägt sie nur für kurze Zeit.

Dafür sehr überzeugend.

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Feldnotiz Daniel Frei Feldnotiz Daniel Frei

Schnägg.

Sie überqueren Wege mit einer Entschlossenheit, die ihrer Geschwindigkeit deutlich voraus ist.

In Mürren leben Schnecken bis weit hinauf zwischen Wiesen, Wald, Gärten und Geröll. Nach Regen verlassen sie ihre Verstecke und überqueren Wege mit einer Entschlossenheit, die ihrer Geschwindigkeit deutlich voraus ist.

MRRN: Schnägg. Fotografie: Daniel Frei

Kein Haus. Dafür einen Fuss, und der ist nicht schlank.

Zoologisch gesehen besteht eine Nacktschnecke zu einem beträchtlichen Teil aus diesem einen muskulösen Organ. Damit gleitet sie über Steine, Erde und Holz. Eine Schleimspur vermindert die Reibung, schützt den Körper und markiert zuverlässig, wo sie bereits gewesen ist.

Besagtes Tier auf dem Weg gehört erkennbar zu den Wegschnecken. Welche Art genau? Rote, braune und orangefarbene Vertreter können einander stark ähneln. Kurz, man weiss es nicht.

Vorn trägt sie zwei lange Fühler mit Augen an den Spitzen. Darunter befinden sich zwei kürzere, die vor allem Geruch und Berührung wahrnehmen. Werden die Verhältnisse unübersichtlich, zieht sie alles ein.

Eine vernünftige Einrichtung.

Viele fressen welkende Pflanzen, Pilze, Algen und abgestorbenes Material. Damit beseitigen sie, etwas unauffällig, was andere liegen lassen. Dass sie gelegentlich auch frisches Grün schätzen, hat ihrem Ruf stärker geschadet als ihre gesamte ökologische Arbeit ihm nützt. Pro Natura nennt Nacktschnecken deshalb die «Geier des Gartens».

Diese kroch durch den feuchten Schotter.

Langsam wäre das falsche Wort. Sie bewegte sich in der ihr möglichen Geschwindigkeit. Ohne Eile, aber auch ohne erkennbaren Zweifel an der Richtung.

Vielleicht wirkt eine Schnecke nur deshalb langsam, weil wir selbst ständig zu spät sind.

 
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Feldnotiz Daniel Frei Feldnotiz Daniel Frei

Höiet.

Sommer frisch geschnitten.

Sommer frisch geschnitten.

MRRN: Heuet. Fotografie: Daniel Frei

Die Wiesen sind gemäht. Das Gras liegt in langen, weichen Bahnen über dem Hang und trocknet in der Sonne. Wo gestern noch alles stand, duftet heute der ganze Berg.

Warm.

Grün.

Ein wenig süss.

«Höiet», sagt man hier. Ein kleines Wort für eine grosse Verwandlung.

Die Wiese wird geschnitten, gewendet, gesammelt. Für einen Moment liegt sie einfach da. Der Sommer ist nicht zu überriechen. Man geht daran vorbei und wird langsamer. Emu ig. Des Duftes wegen.

Später wird alles eingebracht sein. Die Hänge werden wieder ordentlich aussehen. Der Wind wird den Rest forttragen.

Aber heute riecht Mürren nach Höiet, als wäre der ganze Sommer frisch geschnitten.

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Mürren Daniel Frei Mürren Daniel Frei

Winterfit.

In Mürren beginnt der Winter nicht mit dem ersten Schnee, sondern mit einem Termin beim Mechaniker.

In Mürren beginnt der Winter nicht mit dem ersten Schnee, sondern mit einem Termin beim Mechaniker.

MRRN: Winterfit. Fotografie: Daniel Frei

Ende Juli. Die Wiesen riechen nach Höiet. Die Sonne steht warm auf den Hauswänden. Und vor der Werkstatt des Mechanikers warten die ersten Schneeschleudern geduldig auf Zuwendung.

Rot. Schwer. Einsatzbereit wirkend. Nur eben noch nicht ganz.

Sie stehen da wie die Vorhut des Winters. Sorgfältig abgestellt, teilweise zugedeckt, und lassen sich gründlich durchsehen.

Öl.

Riemen.

Ketten.

Was eine Schneeschleuder eben braucht, um später wieder zuverlässig Schneemassen aus dem Weg zu räumen.

In Mürren beginnt der Winter nicht mit dem ersten Schnee, sondern mit einem Termin beim Mechaniker.

 
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Natur Daniel Frei Natur Daniel Frei

Liebesspiel.

Bei zwei Menschen wäre das vermutlich Voyeurismus. Je nach Nähe auch Pornografie.

Bei zwei Menschen wäre das vermutlich Voyeurismus. Je nach Nähe auch Pornografie.

MRRN: Liebespiel. Illustration: Daniel Frei

Zwei zitronengelbe Schmetterlinge umflogen sich über der Wiese. Mit heftigem Flügelschlag stiegen sie im warmen Aufwind hoch, stiessen gegeneinander, trennten sich, fielen wieder ab und fanden sich kurz darauf von Neuem.

Ein Liebesspiel aus Annäherung, Flucht, Angriff und Rückkehr.

Es sah nicht besonders friedlich aus. Eher nach einer Beziehung, die bereits eine gemeinsame Geschichte hatte.

Ich blieb stehen und schaute zu.

Bei zwei Menschen wäre das vermutlich Voyeurismus. Je nach Nähe auch Pornografie. Bei Schmetterlingen nennt man es Naturbeobachtung und darf sogar die Kamera holen.

Als ich zurückkam, waren sie verschwunden.

 
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Architektur Daniel Frei Architektur Daniel Frei

Wolkenkratzer.

Das Wort Wolkenkratzer stammt vermutlich aus einer Zeit, als Architekten noch Ehrfurcht vor Höhe hatten.

Wolkenkratzer

Das Wort Wolkenkratzer stammt vermutlich aus einer Zeit, als Architekten noch Ehrfurcht vor Höhe hatten. Heute bezeichnet es ein Gebäude mit vielen Stockwerken.

MRRN: Wolkenkratzer. Fotografie: Daniel Frei

Im Lauterbrunnental, darob, in Mürren, erhält der Begriff Wolkenkratzer seine ursprüngliche Bedeutung. Eiger, Mönch und Jungfrau kratzen tatsächlich an den Wolken. Manchmal sogar mitten hindurch.

An guten Tagen hängen einzelne Wolkenfetzen an Graten und Felswänden fest, als hätten sie dort kurz pausiert. Die umliegenden Gipfel erfüllen damit die wichtigste Voraussetzung eines Wolkenkratzers deutlich zuverlässiger als die meisten Hochhäuser dieser Welt.

Ein weiterer Unterschied fällt auf.

Die Berge verfügen über keine Lobby. Keine Rezeption. Keine Tiefgarage. Keine Eigentumswohnungen. Keine Servicelifte. Keine Penthouse-Magazine. Trotzdem sind sie höher. Deutlich höher. M

an könnte argumentieren, dass die Architekten ihrer Zeit den Begriff genau hier hätten finden können. Sie blickten auf einen Berg. Später bauten sie ein Hochhaus. Und nannten es nach dem Original.

Die Berge haben sich dazu bisher nicht geäussert.

Sie stehen weiterhin dort. Noch die einzigen echten Wolkenkratzer in der Gegend.

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Mürren Daniel Frei Mürren Daniel Frei

Salat.

In Mürren lebt der Salat unter permanentem Beobachtungsdruck.

Jeden Frühling beginnt in Mürren eine der unterschätztesten Produktionen des Dorfes. Nicht auf Baustellen, Skipisten oder Hotelterrassen. Im Nachbargarten. Dort wächst Salat.

MRRN: Salat. Fotografie: Daniel Frei

Direkt nebenan beginnt jedes Jahr dasselbe Schauspiel. In Nachbars Garten, wo nicht nur das Gras grüner ist. Zuerst erscheinen einige kleine grüne Pflänzchen. Unauffällig. Harmlos. Verletzlich. Niemand würde vermuten, dass daraus wenige Wochen später ein ausgewachsener Konflikt entsteht.

Denn kaum ist der Salat gesetzt, spricht sich die Neuigkeit herum. Die Schnecken erfahren davon. Die Gämsen auch. Diverse Vögel scheinen ebenfalls informiert zu werden.

Und von diesem Moment an lebt der Salat unter permanentem Beobachtungsdruck.

Zäune werden errichtet. Netze gespannt. Regelmässige Kontrollen durchgeführt. Verdächtige Bewegungen und Spuren registriert. Der Salat selbst beteiligt sich nicht an den Diskussionen. Er wächst weiter. Tag für Tag. Blatt für Blatt. Während ringsherum ein stiller Kampf um seine Zukunft geführt wird.

Die Gämsen verfolgen dabei eine eher direkte Strategie. Sie würden die Angelegenheit gerne an Ort und Stelle erledigen.

Die Schnecken arbeiten subtiler. Sie erscheinen meist nachts. Wie viele erfolgreiche Organisationen.

Trotzdem gelingt es meinen Nachbarn jedes Jahr wieder, eine beachtliche Ernte durchzubringen. Irgendwann stehen dort Reihen von Salatköpfen. Frisch. Grün. Vollständig. Ein kleiner Erfolg der lokalen Landwirtschaft.

Kurz darauf verschwinden sie wieder.

Nicht wegen der Gämsen. Nicht wegen der Schnecken. Sondern weil sie ihren letzten Bestimmungsort erreichen. Die Restaurants des Dorfes. Dort landen sie auf Tellern, begleitet von freundlichen Gesprächen und dem Eindruck, frischer könne Salat kaum sein. Was meistens stimmt. Zwischen Beet und Mittagessen liegen oft nur wenige Stunden.

Wer die Geschichte kennt, betrachtet den Salat danach etwas anders.

Weniger als Beilage. Mehr als Überlebender.

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