Mürren Mon Amour
Zwischen Höhenluft und Herz
Eine Liebeserklärung. An den Ort, das Leben in der Höhe. An Gedanken. Hier treffen Höhenluft, Herz und Horizont aufeinander. Zwischen Bergnebel und Klarheit über das, was bewegt. Innen wie aussen. Über Mürren als Idee, Projektion, Zwischenort, Möglichkeit.
Niesel.
Manches entzieht sich der Sprache. Weil es zu fein ist. Zu leise. Und zu wenig entschieden.
Niidlewouche.
Kurz bevor der Regen über Mürren zieht, wird der Himmel zur Dessertkarte.
Regen.
Der Regen trommelt auf die Dächer von Mürren. Mit der Entschlossenheit der Dorfmusik beim Umzug durchs Dorf.
Schnee, nonstop.
Was erst als beiläufiger Nachschnee angekündigt war, wurde zum entschlossenen Comeback. Der Winter kehrt zurück, nicht vorsichtig, mit Nachdruck.
Sommerzeit.
Die Uhr springt vor, der Kalender behauptet Fortschritt. In Mürren bleibt alles stehen. Schnee, Nebel, Wind. Die Berge schweigen. Sommerzeit ohne Sommer.
Nachschnee.
Ende März. Der Winter hätte längst abtreten sollen, können, dürfen. Die Saison sich leise verabschieden. Stattdessen fällt noch einmal Schnee, schwer, dicht, unablässig. Mürren merkt, dass der Winter nicht einfach geht, wenn man es beschlossen hat.
Pulver, gut.
Mürren, frühmorgens. Fünf bis acht Zentimeter Neuschnee über Nacht. Kein Alibischnee, sondern brauchbarer: pulvrig. Der Winter ist jetzt offiziell im Dienst.
Der Brunnen.
Der Brunnen im Dorf läuft über. Nicht, weil es zu viel Wasser gäbe, sondern weil es keinen Weg mehr nach unten findet. Der Abfluss ist zu. Eis. Gefroren. Eine Blockade, die genügt, um das System aus dem Takt zu bringen.
Täuschung.
Auch der Winter kann tricksen. Er zeigt sich weiss, schweigt höflich und legt sich sanft über die Dinge. Und doch ist da etwas anders. In Mürren fiel kein Schnee. Es fiel Nebel, der beschlossen hatte, nicht mehr Nebel zu sein.
Der Eiger gebärt die Wolken.
Manchmal wirkt es, als hätte der Eiger beschlossen, selbst Himmel zu spielen. Dann hebt er an zu atmen, zu pressen, zu schaffen. Und plötzlich ist da etwas Neues in der Luft.
Grüne Weihnachten.
Kein Schnee. Stattdessen Gras, Moos, nasse Wege und eine Landschaft, die sich weigert, unsere inneren Postkarten zu bestätigen. Aber grüne Weihnachten in Mürren sind kein Mangel. Sie sind eine Zumutung. Und ein unerwartetes Geschenk.
Zwölf Grad zu viel: die Alpen, die wir verlieren.
Hochsommer in Mürren. Zwölf Grad über dem langjährigen Tageshöchstwert. Die Bergluft ist warm wie in der Toskana, der Himmel klar wie der Bergbach, die Terrasse voll wie die Gondeln.
Nebel.
Mürren kennt den Nebel. Der Nebel kennt Mürren. Er steigt nicht einfach auf, er erscheint. Wie ein Gedanke, der sich zuerst nicht fassen lässt.

