Mürren Mon Amour

Zwischen Höhenluft und Herz

Eine Liebeserklärung. An den Ort, das Leben in der Höhe. An Gedanken. Hier treffen Höhenluft, Herz und Horizont aufeinander. Zwischen Bergnebel und Klarheit über das, was bewegt. Innen wie aussen. Über Mürren als Idee, Projektion, Zwischenort, Möglichkeit.

 
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Regenbogenkomet.

Die Perseiden ziehen über den Himmel. Vis-à-vis von Mürren ist einer eingeschlagen. Zumindest sah es so aus.

Die Perseiden ziehen über den Himmel. Vis-à-vis von Mürren ist einer eingeschlagen. Zumindest sah es so aus.

MRRN: Regenbogenkomet. Fotografie: Daniel Frei

Er kam weder aus Richtung Perseus, noch war er besonders schnell. Eigentlich bewegte er sich überhaupt nicht. Trotzdem stand ein farbiger Schweif rechts vom Schwarzmönch und endete ziemlich genau auf der grünen Wiese.

Rot.

Orange.

Ein wenig Gelb.

Grün.

Ein wenig Blau.

Violett.

Sonnenlicht, Wassertröpfchen, Brechung, Reflexion: meteorologisch vollständig erklärbar.

Nur: Die Sache sieht von Mürren aus anders aus.

Als ob sich ein kleiner Komet bei der Wahl seines Aggregatzustands vertan hätte. Die echten Perseiden entstehen aus Staubteilchen des Kometen Swift-Tuttle und treffen mit grosser Geschwindigkeit auf die Erdatmosphäre, leuchten kurz auf, um wieder zu verschwinden. Dieser hier nahm sich Zeit.

Er stand eine Weile im Regen über dem Berg, leuchtete in allen verfügbaren Farben und machte keine Anstalt, weiterzufliegen. Auch ein Einschlag war nicht zu hören. Doch nur ein Regenbogen?

Astronomisch enttäuschend. Für die Aussicht mehr als ausreichend.

Sachschaden ist auch keiner entstanden.

 
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Herbstboten.

Die ersten Herbstboten tragen Rucksäcke und fahren wieder ins Tal.

Der Herbst kündigt sich hier nicht erst mit bunten Blättern an. Die ersten Herbstboten tragen bunte Rucksäcke und fahren wieder ins Tal. Es werden langsam weniger.

MRRN: Herbstboten. Fotografie: Daniel Frei

Die Bäume lassen sich Zeit. Auch das Gras weiss noch nichts Genaueres. Dafür werden die Ströme dünner.

Nicht plötzlich. Es gibt keinen Tag, an dem der Sommer abreist und der Herbst übernimmt. Noch immer kommen sie ab Vormittag, ziehen durch das Dorf, bleiben stehen, schauen, fotografieren und gehen weiter, meist hinauf.

Aber zwischen den Gruppen entstehen Lücken.

Auf den Wegen wird wieder etwas Platz. Aus dem Stimmengewirr werden einzelne Stimmen. Man kann stehen bleiben, ohne selbst sofort Teil eines kleinen Verkehrsproblems zu werden.

Im Unterland kündigt sich der Herbst möglicherweise anders an: ein erstes gelbes Blatt, Kastanien auf dem Boden, Nebel am Morgen, etwas frischer.

In Mürren lässt er sich zunächst an der Personendichte ablesen. Auch die Blätter werden fallen, zuerst aber fällt der Andrang.

 
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Mutterkuh.*

Wer das Warnschild erkennt, ist bereits gut unterwegs.

Das Warnschild auf dem Bild wirkt deshalb etwas überflüssig und gleichzeitig sehr nötig. Wer die Verbindung erkennt, ist bereits gut unterwegs.

MRRN: Mutterkuh. Fotografie: Daniel Frei

Die Kleinen fressen, dösen, spielen, stehen etwas abseits oder dicht bei der Mutter. Die Kühe tun, was Kühe tun:

Sie passen auf.

Mutterkühe haben einen ausgeprägten Schutzinstinkt. Kommt jemand der Herde, besonders einem Kalb, zu nahe, kann aus einem friedlich grasenden ziemlich schnell ein resolutes Muttertier werden. Wandernde mit Hunden sind dabei besonders heikel: Hunde können von Rindern als Bedrohung wahrgenommen werden. Die wichtigste Regel:

Abstand.

Nicht zwischen Kuh und Kalb hindurchgehen. Kälber nicht anfassen. Die Herde grosszügig umgehen. Stehen die Tiere auf dem Weg, wartet man, weicht aus, kehrt notfalls um und geht einen Umweg. Der Wanderweg besitzt kein Vortrittsrecht gegenüber einer Mutter.

Meist kündigt eine Kuh an, wenn ihr etwas nicht gefällt.

Sie richtet ihre Aufmerksamkeit plötzlich auf einen.

Hebt und senkt den Kopf.

Schnaubt.

Scharrt.

Muht vielleicht.

Die Herde wird unruhig.

Spätestens dann ist die Diskussion beendet. Ruhig bleiben. Abstand vergrössern. Langsam zurückweichen. Nicht rennen, nicht provozieren, nicht versuchen, doch noch irgendwie durchzukommen. Die Schweizer Wanderwege empfehlen bei Mutterkuhherden ausdrücklich: Distanz halten, Kälber nie berühren, Hunde an kurzer Leine führen. Greifen Kühe einen angeleinten Hund tatsächlich an, Leine loslassen und dem Hund die Flucht ermöglichen.

Das Warnschild auf dem Bild wirkt deshalb etwas überflüssig und gleichzeitig sehr nötig.

Darauf ist eine Kuh.

Daneben stehen Kühe.

Wer die Verbindung erkennt, ist bereits gut unterwegs.

Und wer sie nicht erkennt, sollte vielleicht trotzdem umdrehen.

Die Mutter entscheidet.

*Dieser Text basiert auf Empfehlungen der Schweizer Wanderwege.

 
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Whale Watching.

Whale Watching in Mürren, aber die Tiere verhalten sich ausgesprochen scheu.

Whale Watching gibt es auch in Mürren. Die Tiere aber verhalten sich ausgesprochen scheu.

MRRN: Whale Watching. Fotografie: Daniel Frei

Man erkennt die Situation sofort: Ein paar Menschen stehen da. Andere kommen. Jemand hebt das Telefon. Jemand zeigt in die Ferne. Ein Kind schaut hin, wohin alle schauen. Dann stehen sie gemeinsam vor Schwarzmönch, Jungfrau, Mönch und Eiger und schauen.

Was genau ist nicht immer klar.

Vielleicht das Licht. Vielleicht eine Wolke. Vielleicht einen Gleitschirm. Vielleicht einfach die Berge. Es spielt keine Rolle, entscheidend ist mehr die Haltung: Man steht, man schaut, man arrangiert, man wartet. Beim Whale Watching wäre das der Moment, in dem jemand ruft:

Da!

In Mürren ruft selten jemand. Die Hauptattraktion bewegt sich nicht besonders schnell. Sie steht seit einiger Zeit ungefähr am selben Ort. Das macht aber die Beobachtung nicht weniger intensiv. Im Gegenteil.

Man fotografiert. Vergleicht Ausschnitte. Rearrangiert und -inszeniert. Schaut nochmals ohne Kamera. Dann wieder mit ihr, durch sie. Und bleibt dann doch länger stehen, als ursprünglich vorgesehen.

Bisher wurden keine Wale gesichtet.

Die Aussichten gelten trotzdem als ausgezeichnet.

 
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Pilz.

Die ersten Pilze stehen wieder im Gras: unentschieden darüber, ob die Saison bereits begonnen hat.

Die ersten Pilze stehen wieder im Gras; vereinzelt, noch etwas vorsichtig. Unentschieden darüber, ob die Saison bereits begonnen hat.

MRRN: Pilz. Fotografie: Daniel Frei

Nach diesem heissen, trockenen Sommer war lange nichts zu sehen. Die Wiesen wurden zwar heller. Der Boden härter. Das Moos spröder.

Aber jetzt plötzlich: ein Pilz.

Breit, dunkel, feucht glänzend. Zwischen Gras, Zapfen und altem Holz. Kein eleganter Vorbote, eher ein kräftiges Lebenszeichen aus dem Boden. Welche Art es genau ist, lässt sich durch mich nicht sicher bestimmen. Für eine Naturbeobachtung genügt zunächst: Er ist da.

Pilze erscheinen ohnehin nie aus dem Nichts. Was wir sehen, ist nur der Fruchtkörper. Der grössere Teil lebt verborgen im Boden, als feines Geflecht zwischen Wurzeln, Holz und Erde. Unsichtbar, bis Feuchtigkeit und Temperatur irgendwann stimmen.

Dann poppen sie auf.

Einer.

Dann vielleicht drei.

Dann überall.

Wie die kommende Pilzsaison wird, weiss noch niemand. Nach einem solchen Sommer könnte sie karg ausfallen. Oder spät. Oder nach einigen Regentagen plötzlich so üppig, als hätte der Wald die ganze Zeit nur gewartet.

Pilze sind in dieser Hinsicht wenig auskunftsfreudig.

Sie machen keine Prognosen.

Sie erscheinen.

Dieser hier hat damit begonnen.

 
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Kreuzotter.

Als ich zurückkam, war sie verschwunden.

Als ich zurückkam, war sie verschwunden.

MRRN: Kreuzotter. Fotografie: Daniel Frei

Heute lag eine Kreuzotter am Wegrand. Sie hatte den Platz schon lange vor uns reserviert. Ich ging die Kamera holen.

Als ich zurückkam, war sie verschwunden.

Das unterscheidet sie von den anderen Schlangen in Mürren. Den Gästeschlangen. Vor der Schilthornbahn. Vor dem Buffet. Vor der Gondel. Vor der Kasse. Dort, wo Aussicht, Kaffee oder ein Souvenir versprochen werden. Sie bleiben. Sie rücken langsam vor. Manchmal stundenlang.

Die Kreuzotter dagegen kennt den besseren Moment.

Sie erscheint. Sie verschwindet.

Und überlässt uns das Anstehen.

 
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Lila.

Das Grün wird matter, das Gras trockener, die Hänge brauner: jetzt übernimmt Lila.

Der Sommer zieht sich langsam aus den Wiesen zurück. Auch wenn dies der Hitze noch nicht mitgeteilt wurde. Das Grün wird matter, das Gras trockener, die Hänge brauner. Und ausgerechnet jetzt übernimmt Lila.

MRRN: Lila. Fotografie: Daniel Frei

Im Frühling beginnt Mürren mit Gelb und Weiss. Dann kommt das satte Grün. Später Blau, Rot, Rosa und alles, was eine Bergwiese während einiger Wochen aufzubieten hat.

Im August aber verändert sich die Farbordnung.

Das Gras verliert an Glanz. Die Halme werden strohig. Die Wiesen sehen aus, als hätte der Sommer beschlossen, nicht mehr täglich frisch zu erscheinen.

Und dann taucht Lila auf.

Punktuell. In kleinen Inseln, einzelnen Köpfen, Glocken, Rispen und ganzen Sträuchern. Besenheide, Witwenblume, alpine Glockenblume und das Wald-Weidenröschen. Botanisch haben sie wenig miteinander zu tun. Farblich aber haben sie sich abgesprochen.

Die Besenheide bleibt niedrig und verteilt ihr Violett grosszügig über den Boden.

Die Witwenblume steht einzeln da, rund und ordentlich, als hätte sie einen Termin.

Die Glockenblume hängt etwas nach unten und wirkt, als wüsste sie bereits, dass der Sommer nicht ewig dauert.

Das Weidenröschen dagegen kennt keine Zurückhaltung. Es blüht hoch, rosa-violett und mit der Energie einer Pflanze, die auch aus einer gerodeten Fläche noch eine Bühne macht.

Zusammen geben sie den verbraunten Wiesen einen Lilastich. Nicht genug, um den Sommer zurückzubringen. Aber genug, um seinen Abgang mehr als anständig zu gestalten.

Deshalb ist Lila die richtige Farbe für diese Wochen. Nicht mehr ganz Sommer. Noch lange nicht Herbst. Eine Farbe dazwischen.

Mürren trägt sie nur für kurze Zeit.

Dafür sehr überzeugend.

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Schnägg.

Sie überqueren Wege mit einer Entschlossenheit, die ihrer Geschwindigkeit deutlich voraus ist.

In Mürren leben Schnecken bis weit hinauf zwischen Wiesen, Wald, Gärten und Geröll. Nach Regen verlassen sie ihre Verstecke und überqueren Wege mit einer Entschlossenheit, die ihrer Geschwindigkeit deutlich voraus ist.

MRRN: Schnägg. Fotografie: Daniel Frei

Kein Haus. Dafür einen Fuss, und der ist nicht schlank.

Zoologisch gesehen besteht eine Nacktschnecke zu einem beträchtlichen Teil aus diesem einen muskulösen Organ. Damit gleitet sie über Steine, Erde und Holz. Eine Schleimspur vermindert die Reibung, schützt den Körper und markiert zuverlässig, wo sie bereits gewesen ist.

Besagtes Tier auf dem Weg gehört erkennbar zu den Wegschnecken. Welche Art genau? Rote, braune und orangefarbene Vertreter können einander stark ähneln. Kurz, man weiss es nicht.

Vorn trägt sie zwei lange Fühler mit Augen an den Spitzen. Darunter befinden sich zwei kürzere, die vor allem Geruch und Berührung wahrnehmen. Werden die Verhältnisse unübersichtlich, zieht sie alles ein.

Eine vernünftige Einrichtung.

Viele fressen welkende Pflanzen, Pilze, Algen und abgestorbenes Material. Damit beseitigen sie, etwas unauffällig, was andere liegen lassen. Dass sie gelegentlich auch frisches Grün schätzen, hat ihrem Ruf stärker geschadet als ihre gesamte ökologische Arbeit ihm nützt. Pro Natura nennt Nacktschnecken deshalb die «Geier des Gartens».

Diese kroch durch den feuchten Schotter.

Langsam wäre das falsche Wort. Sie bewegte sich in der ihr möglichen Geschwindigkeit. Ohne Eile, aber auch ohne erkennbaren Zweifel an der Richtung.

Vielleicht wirkt eine Schnecke nur deshalb langsam, weil wir selbst ständig zu spät sind.

 
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Höiet.

Sommer frisch geschnitten.

Sommer frisch geschnitten.

MRRN: Heuet. Fotografie: Daniel Frei

Die Wiesen sind gemäht. Das Gras liegt in langen, weichen Bahnen über dem Hang und trocknet in der Sonne. Wo gestern noch alles stand, duftet heute der ganze Berg.

Warm.

Grün.

Ein wenig süss.

«Höiet», sagt man hier. Ein kleines Wort für eine grosse Verwandlung.

Die Wiese wird geschnitten, gewendet, gesammelt. Für einen Moment liegt sie einfach da. Der Sommer ist nicht zu überriechen. Man geht daran vorbei und wird langsamer. Emu ig. Des Duftes wegen.

Später wird alles eingebracht sein. Die Hänge werden wieder ordentlich aussehen. Der Wind wird den Rest forttragen.

Aber heute riecht Mürren nach Höiet, als wäre der ganze Sommer frisch geschnitten.

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Fernsicht.

Man muss manchmal sehr weit reisen, um etwas zu sehen.

Man muss manchmal sehr weit reisen, um etwas zu sehen.

MRRN: Fernsicht. Fotografie: Daniel Frei

Eine Frau reist von den Philippinen nach Mürren. Sie schaut ins Tal und beginnt zu weinen. Millionen Menschen sehen später das Video. Ich sehe währenddessen denselben Blick aus dem Fenster.

Der Unterschied liegt vermutlich nicht in der Aussicht. Sondern in der Entfernung. Man muss manchmal sehr weit reisen, um etwas zu sehen. Und manchmal genügt ein Schritt auf den Balkon.

Beides gelingt nicht jeden Tag.

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Graustufen.

Nach Sonne, Hitze und Aussicht zeigt sich Mürren heute in Graustufen. Nicht alle bedauern das.

Nach Sonne, Hitze und Aussicht zeigt sich Mürren heute in Graustufen. Nebel zieht durchs Dorf. Regen fällt auf Dächer und Wiesen. Der Wind übernimmt die Strassen. Nicht alle bedauern das.

MRRN: Graustufen. Fotografie: Daniel Frei

Der Tag beginnt in verschiedenen Schattierungen von Grau. Die Berge sind nahezu verschwunden. So auch das Tal. Selbst die vertrauten Orientierungspunkte tauchen nur noch gelegentlich aus dem Nebel auf, bevor sie wieder verschwinden.

Regen fällt auf Dächer, Balkone und Wanderwege. Der Wind zieht durch die Bäume. Die Fahnen haben wieder etwas zu tun. Nach den vergangenen Wochen wirkt das ungewohnt.

Die Sonne hatte Überstunden geleistet. Tag für Tag. Woche für Woche. Mit ihr kamen die Gäste. Die Wandernden. Die Fotografierenden. Die Terrassenbesetzer. Die Aussichtssuchenden.

Heute macht alles eine kleine Pause. Die Fernsicht ebenfalls.

Niemand fotografiert einen Nebelvorhang mit derselben Begeisterung wie Eiger, Mönch und Jungfrau. Darin liegt ein Reiz. Der Nebel verlangt nichts. Er will nicht beeindrucken. Er verdeckt mehr, als er zeigt.

Das ist eine Wohltat. Das Dorf leiser. Die Wege leerer. Die Bewegungen langsamer. Die Landschaft tritt einen Schritt zurück. Für ein paar Stunden genügt es, dass sie einfach da ist. Grau. Kühl. Nass. Windig.

 
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Gewitter.

Oberhalb von Mürren ziehen sich die Wolken zusammen. Der Himmel schliesst langsam seine Türen.

Oberhalb von Mürren ziehen sich die Wolken zusammen. Der Himmel schliesst langsam seine Türen. Nach Tagen voller Sonne und Hitze kündigt sich eine kurze Unterbrechung an.

MRRN: Gewitter. Fotografie: Daniel Frei

Seit dem Mittag verändert sich das Licht. Erst kaum sichtbar. Dann immer deutlicher. Über dem Lauterbrunnental sammeln sich Wolken. Hellgrau. Dunkelgrau. Weiss. Schicht um Schicht. Die letzten blauen Stellen verschwinden.

Der Wind zieht an. Die Bäume, Sträucher, Halme beginnen sich in seinem Rhythmus zu bewegen. Nicht hektisch. So, als würden sie sich auf etwas vorbereiten.

Auf den Terrassen wird aufgeräumt, die Sonnenschirme zusammengeklappt. Jacken tauchen wieder auf. Einzelne Gäste schauen zum Himmel und prüfen ihre Wetter-Apps. Andere vertrauen weiterhin ihrem Optimismus. Anderen ist es egal. Er kommt wie er kommt.

Die ersten Tropfen fallen. Noch weit voneinander entfernt. Dann ein paar mehr. Nach den vergangenen Tagen wirkt das ungewohnt. Die Hitze macht Pause.

Die Wiesen bekommen etwas Wasser. Die Dächer ebenfalls. Und Eiger, Mönch, Schwarzmönch und Jungfrau verschwinden langsam hinter einem Vorhang aus Nebel und Regen.

Für ein paar Momente übernimmt das Gewitter die Regie.

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Dorfe.

Sie frassen. Man erzählte.

Sie frassen. Man erzählte.

MRRN: Dorfnen. Fotografie: Daniel Frei

Am Morgen stehen die Gämsen manchmal fast vor der Tür. Dort wächst noch ein Rest feiner, frischer Kräuter. Genug, um den Weg ins Dorf zu rechtfertigen. Gestern waren sie besonders nah. So nah, dass man sich nicht mehr einfach nur gegenseitig beobachtete.

Me het dorfet.

«Zäme dorfe» sagt man hier, wenn man zusammensteht, redet, schaut, was läuft, und nicht unbedingt zu einem Ergebnis kommen muss. Sie frassen. Man erzählte, blieb eine Weile beieinander. Dann gingen die einen wieder den Hang hinauf. Und die andere ins Haus.

Was genau besprochen wurde, blieb im Dorf.

 
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