Lila.

Der Sommer zieht sich langsam aus den Wiesen zurück. Auch wenn dies der Hitze noch nicht mitgeteilt wurde. Das Grün wird matter, das Gras trockener, die Hänge brauner. Und ausgerechnet jetzt übernimmt Lila.

MRRN: Lila. Fotografie: Daniel Frei

Im Frühling beginnt Mürren mit Gelb und Weiss. Dann kommt das satte Grün. Später Blau, Rot, Rosa und alles, was eine Bergwiese während einiger Wochen aufzubieten hat.

Im August aber verändert sich die Farbordnung.

Das Gras verliert an Glanz. Die Halme werden strohig. Die Wiesen sehen aus, als hätte der Sommer beschlossen, nicht mehr täglich frisch zu erscheinen.

Und dann taucht Lila auf.

Punktuell. In kleinen Inseln, einzelnen Köpfen, Glocken, Rispen und ganzen Sträuchern. Besenheide, Witwenblume, alpine Glockenblume und das Wald-Weidenröschen. Botanisch haben sie wenig miteinander zu tun. Farblich aber haben sie sich abgesprochen.

Die Besenheide bleibt niedrig und verteilt ihr Violett grosszügig über den Boden.

Die Witwenblume steht einzeln da, rund und ordentlich, als hätte sie einen Termin.

Die Glockenblume hängt etwas nach unten und wirkt, als wüsste sie bereits, dass der Sommer nicht ewig dauert.

Das Weidenröschen dagegen kennt keine Zurückhaltung. Es blüht hoch, rosa-violett und mit der Energie einer Pflanze, die auch aus einer gerodeten Fläche noch eine Bühne macht.

Zusammen geben sie den verbraunten Wiesen einen Lilastich. Nicht genug, um den Sommer zurückzubringen. Aber genug, um seinen Abgang mehr als anständig zu gestalten.

Deshalb ist Lila die richtige Farbe für diese Wochen. Nicht mehr ganz Sommer. Noch lange nicht Herbst. Eine Farbe dazwischen.

Mürren trägt sie nur für kurze Zeit.

Dafür sehr überzeugend.

Zurück
Zurück

1. August.

Weiter
Weiter

Höiet.