Mürren Mon Amour
Zwischen Höhenluft und Herz
Eine Liebeserklärung. An den Ort, das Leben in der Höhe. An Gedanken. Hier treffen Höhenluft, Herz und Horizont aufeinander. Zwischen Bergnebel und Klarheit über das, was bewegt. Innen wie aussen. Über Mürren als Idee, Projektion, Zwischenort, Möglichkeit.
Salz und Schnee.
Schnee fällt. Salz bleibt zurück. Das eine deckt zu. Das andere dringt ein.
Schnee, nonstop.
Was erst als beiläufiger Nachschnee angekündigt war, wurde zum entschlossenen Comeback. Der Winter kehrt zurück, nicht vorsichtig, mit Nachdruck.
Sommerzeit.
Die Uhr springt vor, der Kalender behauptet Fortschritt. In Mürren bleibt alles stehen. Schnee, Nebel, Wind. Die Berge schweigen. Sommerzeit ohne Sommer.
Nachschnee.
Ende März. Der Winter hätte längst abtreten sollen, können, dürfen. Die Saison sich leise verabschieden. Stattdessen fällt noch einmal Schnee, schwer, dicht, unablässig. Mürren merkt, dass der Winter nicht einfach geht, wenn man es beschlossen hat.
Don’t eat the yellow snow.
Neongelb ist in Winter-Mürren keine Farbe, sondern ein Ereignis. Ein Signal. Ein kurzer Riss in der weissen Ordnung. Über Warnfarben, Rettungshubschrauber und die kleinen, ehrlichen Zeichen des Lebens.
Pulver, gut.
Mürren, frühmorgens. Fünf bis acht Zentimeter Neuschnee über Nacht. Kein Alibischnee, sondern brauchbarer: pulvrig. Der Winter ist jetzt offiziell im Dienst.
Täuschung.
Auch der Winter kann tricksen. Er zeigt sich weiss, schweigt höflich und legt sich sanft über die Dinge. Und doch ist da etwas anders. In Mürren fiel kein Schnee. Es fiel Nebel, der beschlossen hatte, nicht mehr Nebel zu sein.
Grüne Weihnachten.
Kein Schnee. Stattdessen Gras, Moos, nasse Wege und eine Landschaft, die sich weigert, unsere inneren Postkarten zu bestätigen. Aber grüne Weihnachten in Mürren sind kein Mangel. Sie sind eine Zumutung. Und ein unerwartetes Geschenk.

