Mürren

Mon Amour

Der Blog zwischen Höhenluft,

Herz und Haltung.

Mürren Mon Amour ist mehr als ein Blog. Es ist eine Liebeserklärung. An den Ort. An das Leben in der Höhe. An Gedanken mit Tiefgang. Hier treffen Höhenluft und Haltung aufeinander, Herz und Horizont. Zwischen Bergnebel und Klarheit entstehen Texte über das, was bewegt. Innen wie aussen. Über Mürren als Idee, als Zwischenort, als Möglichkeit. Für alle, die mehr suchen als Aussicht: Einsicht.

Feiertage Daniel Frei Feiertage Daniel Frei

I, King.

Dreikönigstag: ein leiser Feiertag. Kein Lärm. Kein Feuerwerk. Kein Konsumrausch. Und das ist sein Ernst. Die Krönung, um die es geht, findet nicht draussen statt. Sie findet innen statt. Und sie braucht kein Publikum.

Dreikönigstag: ein leiser Feiertag. Kein Lärm. Kein Feuerwerk. Kein Konsumrausch. Und das ist sein Ernst. Die Krönung, um die es geht, findet nicht draussen statt. Sie findet innen statt. Und sie braucht kein Publikum.

Es gibt Krönungen, die angekündigt werden. Mit Einladungen. Mit Protokoll. Mit Kameras. Mit Medienpomp. Andere geschehen einfach. Ohne Zeugen. Ohne Instagram. Ohne Applaus. Der Dreikönigstag gehört zur zweiten Kategorie. Drei Könige, heisst es, seien gekommen. Von weit her. Mit Geschenken. Mit einer Ahnung. Mit einer Richtung. Was dabei oft vergessen geht: Niemand hat sie gekrönt. Sie waren es einfach. Nicht, weil sie herrschten. Sondern weil sie gingen. Weil sie sich aufmachten. Weil sie folgten, ohne genau zu wissen, wohin.

Heute kommen keine Könige mehr. Vielleicht doch. Aber sie fallen nicht auf. Sie stehen früh auf. Sie machen Kaffee. Sie absolvieren routiniert ihren Morgenspaziergang. Sie schauen aus dem Fenster. Vielleicht hier, in Mürren. Vielleicht anderswo. Und sie entscheiden sich für etwas sehr Unspektakuläres: Ich übernehme. Nicht die Welt. Nicht die anderen. Nicht das grosse Ganze.

Sich. Mich. I, King. Nicht im Sinne von Macht. sondern von Zuständigkeit. Die stille Krönung ist kein Aufstieg. Sie ist ein Einrücken. Ein Einrücken in das eigene Leben. In das, was man weiss. In das, was man nicht mehr verdrängen kann. In das, was man nicht länger delegiert. Man bekommt dabei keine Krone. Man legt sich selbst eine auf. Und sie ist leicht. Fast unsichtbar. Sie besteht aus Klarheit. Aus einem stillen Ja. Und aus dem Verzicht, sich weiter zu entschuldigen dafür, da zu sein.

Mürren ist ein guter Ort für solche Krönungen. Nicht, weil es erhaben wäre. Weil es nichts vorspielt. Oben. Aber nicht überlegen. Still. Aber nicht leer. Hier lernt man schnell, dass Sein nichts mit Lautstärke zu tun hat.

Die wahre Krönung geschieht nicht am Kopf. Sie geschieht im Rücken. In der Art, wie man steht. Wie man geht. Wie man bleibt. Am Dreikönigstag darf man sich das erlauben. Nicht als Ritual. Nicht als Symbol. Sondern als Entscheidung.

King, I. Ich bin nicht perfekt. Ich bin nicht fertig. Aber ich bin zuständig. Das reicht.

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Wetter, Feiertage Daniel Frei Wetter, Feiertage Daniel Frei

Grüne Weihnachten.

Kein Schnee. Stattdessen Gras, Moos, nasse Wege und eine Landschaft, die sich weigert, unsere inneren Postkarten zu bestätigen. Aber grüne Weihnachten in Mürren sind kein Mangel. Sie sind eine Zumutung. Und ein unerwartetes Geschenk.

Kein Schnee. Stattdessen Gras, Moos, nasse Wege und eine Landschaft, die sich weigert, unsere inneren Postkarten zu bestätigen. Aber grüne Weihnachten in Mürren sind kein Mangel. Sie sind eine Zumutung. Und ein unerwartetes Geschenk.

Oft liegt der Schnee schon Wochen vor Weihnachten. Er kommt leise, bleibt liegen, deckt ab, ordnet neu. Er macht die Welt langsamer und uns ein wenig kindlicher. Und manchmal nicht, öfter als auch schon. Grün. Offen. Unverschlossen. Die Hänge zeigen sich, als hätten sie beschlossen, ehrlich zu sein. Kein Weiss dazwischen. Keine Kulisse. Kein Vorhang.

Grüne Weihnachten fühlen sich zunächst falsch an. Nicht, weil sie es sind, sondern weil unsere Bilder andere sind. Weihnachten ist bei uns ein visuelles Fest, gar ein multisensorisches. Kerzen und Kälte. Dunkelheit und Glühweingeruch. Wärme und Schnee. Und der ist dabei nicht einfach Wetter. Er ist Bedeutung. Er verspricht Ruhe. Er verspricht Neubeginn. Er verspricht, dass alles, was vorher war, für einen Moment stillgestellt wird.

Fehlt der Schnee, fehlt nicht nur das Weiss. Es fehlt mehr. Das Zudecken. Das gnädige Verbergen. Die weisse Hand, die sagt: Später. Jetzt nicht. Jetzt Ruhe.

Grün hingegen ist unverschämt präsent. Es zeigt alles. Die braunen Stellen. Die Steine. Die Wege. Die Arbeitsspuren des Sommers. Grün lässt nichts verschwinden. Grün konfrontiert. Grün ist Alltag. Und genau darin liegt seine Irritation an Weihnachten.

Denn Weihnachten ist das Fest der Fantasie. Nicht der Realität. Wir feiern weniger das, was ist, als das, was sein könnte, was wir uns erwünschten und erhofften. Oder gewesen sein soll. Schnee hilft dabei. Er macht, nicht nur aber auch, aus Mürren ein Bild. Aus einem Dorf ein Versprechen. Aus einer Landschaft eine Bühne.

Ohne Schnee fällt diese Bühne weg. Übrig bleibt das Dorf. Die Wege. Die Häuser. Die Menschen. Mürren ohne Schnee ist kein Märchen. Es ist ein Ort. Und genau das ist der Punkt: Schnee zaubert. Er verlangsamt Schritte. Dämpft Geräusche. Verbindet Unverbundenes. Ein Zaun wird Linie, ein Hang Fläche, ein Chaos Ruhe. Schnee ist der grosse Editor der Landschaft. Er streicht, vereinfacht, reduziert. Und wir lieben ihn dafür.

Aber Reduktion ist nicht Wahrheit. Sie ist eine Form von Gnade. Grün ist weniger gnädig. Grün ist ehrlich. Es zeigt die Übergänge. Die Unentschiedenheit. Den Winter, der keiner sein will. Den Herbst, der nicht gehen mag. Den Frühling, der noch keine Verantwortung übernehmen möchte.

Grüne Weihnachten erzählen von einer Zeit, in der Sicherheiten rarer werden. In der das Wetter nicht mehr zuverlässig liefert, was wir innerlich bestellt haben. Scarcity of Snow klingt nach Statistik. Nach Diagrammen. Nach Klimabericht. Aber emotional ist es etwas anderes. Es ist der Moment, in dem ein inneres Bild nicht eintritt.

Und genau dort beginnt Philosophie.

Was tun wir, wenn das Aussen nicht mehr mit dem Innen übereinstimmt? Wenn unsere Erwartungen ins Leere greifen? Wenn das Bild fehlt, an dem wir uns festhalten wollten?

Wir können klagen. Oder wir können hinschauen.

Grün bedeutet Leben. Wachstum. Fortsetzung. Es ist die Farbe der Zeit, die nicht pausiert. Weihnachten ohne Schnee sagt uns vielleicht genau das. Dass nichts anhält. Dass selbst Rituale nicht garantiert sind. Dass Magie nicht automatisch geliefert wird.

Und doch ist sie da. Nur anders.

Die Magie liegt im Nichtverdecken. Im Sehen dessen, was sonst unter Schnee verschwindet. In der Erkenntnis, dass Zauber nicht nur aus Weiss besteht. Sondern aus Aufmerksamkeit. Aus dem bewussten Wahrnehmen dessen, was ist. Ist der Schnee immer auch eine Ausrede gewesen? Eine schöne. Eine poetische. Aber eine Ausrede. Er hat uns erlaubt, über die Realität hinwegzusehen. Grün erlaubt das nicht. Grün verlangt Beziehung.

Grüne Weihnachten sind ein Spiegel. Sie zeigen uns, wie sehr wir an Bildern hängen. Und wie wenig wir dem Moment zutrauen, ohne Kulisse zu tragen. In Mürren, wo der Schnee sonst selbstverständlich ist, wirkt sein Ausbleiben besonders laut. Und vielleicht lehrt uns gerade dieser Mangel etwas über Fülle. Über die Fähigkeit, auch im Offenen Geborgenheit zu finden. Auch im Unverdeckten Wärme.

Schnee kommt und geht. Erwartungen auch. Was bleibt, ist die Landschaft. Und wir darin. Ohne Weiss. Aber nicht ohne Sinn.

Grüne Weihnachten sind kein Verlust. Sie sind eine Einladung. Hinzuschauen. Loszulassen. Und zu entdecken, dass der Zauber nicht verschwindet, wenn nichts zugedeckt ist, sondern erst dann beginnt.

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