I, King.
Dreikönigstag: ein leiser Feiertag. Kein Lärm. Kein Feuerwerk. Kein Konsumrausch. Und das ist sein Ernst. Die Krönung, um die es geht, findet nicht draussen statt. Sie findet innen statt. Und sie braucht kein Publikum.
Es gibt Krönungen, die angekündigt werden. Mit Einladungen. Mit Protokoll. Mit Kameras. Mit Medienpomp. Andere geschehen einfach. Ohne Zeugen. Ohne Instagram. Ohne Applaus. Der Dreikönigstag gehört zur zweiten Kategorie. Drei Könige, heisst es, seien gekommen. Von weit her. Mit Geschenken. Mit einer Ahnung. Mit einer Richtung. Was dabei oft vergessen geht: Niemand hat sie gekrönt. Sie waren es einfach. Nicht, weil sie herrschten. Sondern weil sie gingen. Weil sie sich aufmachten. Weil sie folgten, ohne genau zu wissen, wohin.
Heute kommen keine Könige mehr. Vielleicht doch. Aber sie fallen nicht auf. Sie stehen früh auf. Sie machen Kaffee. Sie absolvieren routiniert ihren Morgenspaziergang. Sie schauen aus dem Fenster. Vielleicht hier, in Mürren. Vielleicht anderswo. Und sie entscheiden sich für etwas sehr Unspektakuläres: Ich übernehme. Nicht die Welt. Nicht die anderen. Nicht das grosse Ganze.
Sich. Mich. I, King. Nicht im Sinne von Macht. sondern von Zuständigkeit. Die stille Krönung ist kein Aufstieg. Sie ist ein Einrücken. Ein Einrücken in das eigene Leben. In das, was man weiss. In das, was man nicht mehr verdrängen kann. In das, was man nicht länger delegiert. Man bekommt dabei keine Krone. Man legt sich selbst eine auf. Und sie ist leicht. Fast unsichtbar. Sie besteht aus Klarheit. Aus einem stillen Ja. Und aus dem Verzicht, sich weiter zu entschuldigen dafür, da zu sein.
Mürren ist ein guter Ort für solche Krönungen. Nicht, weil es erhaben wäre. Weil es nichts vorspielt. Oben. Aber nicht überlegen. Still. Aber nicht leer. Hier lernt man schnell, dass Sein nichts mit Lautstärke zu tun hat.
Die wahre Krönung geschieht nicht am Kopf. Sie geschieht im Rücken. In der Art, wie man steht. Wie man geht. Wie man bleibt. Am Dreikönigstag darf man sich das erlauben. Nicht als Ritual. Nicht als Symbol. Sondern als Entscheidung.
King, I. Ich bin nicht perfekt. Ich bin nicht fertig. Aber ich bin zuständig. Das reicht.

