Mürren mon Amour

Zwischen Höhenluft und Herz

Eine Liebeserklärung. An den Ort, das Leben in der Höhe. An Gedanken. Hier treffen Höhenluft, Herz und Horizont aufeinander. Zwischen Bergnebel und Klarheit über das, was bewegt. Innen wie aussen. Über Mürren als Idee, als Zwischenort, als Möglichkeit.

 
Mürren Daniel Frei Mürren Daniel Frei

Summen.

In Mürren lernt man auch, die Berge mit den Ohren zu lesen. Das Dorf besitzt eine eigene Tonspur.

In Mürren lernt man auch, die Berge mit den Ohren zu lesen. Das Dorf besitzt eine eigene Tonspur. Aus Bahnen, Transformatoren, Bienen, einer Menge von Dingen, die summen.

MRRN: Summen. Fotografie: Daniel Frei

Mürren ist ein Ort der Aussicht. Man hört und liest das ständig. Über das Hören aber spricht kaum jemand. Dabei besitzt das Dorf eine bemerkenswert eigene Geräuschkulisse. Man muss nur kurz stehen bleiben.

Am Morgen beginnt es meist mit den Bienen und Fliegen. Auf den blühenden Wiesen im und um das Dorf hängt ein gleichmässiges Summen in der Luft. Flächig. Als hätte jemand einen unsichtbaren Lautsprecher zwischen die Blumen gestellt. Je wärmer der Tag wird, desto dichter wird der Klang.

Wer regelmässig spazieren geht, beginnt irgendwann zu unterscheiden. Bienen summen anders als Fliegen. Hummeln nochmals anders. Manche Insekten klingen beinahe wie kleine Elektromotoren auf Irrwegen.

Und dann gibt es da die Bahnen.

Das Summen der BLM ist nicht dasselbe wie das der Schilthornbahn. Beide bewegen Menschen den Berg hinauf und hinunter, aber sie tun es mit unterschiedlichen Stimmen. Wer zuhört, erkennt am Geräusch, welche Bahn gerade unterwegs ist.

Dazwischen liegt das Summen der Infrastruktur.

Transformatoren. Technikräume. Elektrizität. Weidezäune. Ein tiefes, stetiges Brummen, das man erst wahrnimmt, wenn das andere kurz still wird. Und interessanterweise fällt einem das erst auf, wenn man beginnt, darauf zu achten. Danach hört man es überall. Mürren besitzt damit eine Art inoffizielles Orchester. Keine Alphörner. Keine Kuhglocken. Nicht heute Morgen. Noch nicht.

Stattdessen Rotoren, Kabel, Bahnen, Bienen und Insekten. Die Berge liefern die Kulisse. Den Rest erledigt das Summen.

Auf meinem Morgenspaziergang begleitet es mich mittlerweile. Mal näher, mal weiter entfernt. Mal von einer Wiese. Mal von einer Bahn. Mal aus einem unscheinbaren grauen Kasten am Wegrand.

Man wird hier oben mit der Zeit nicht nur Berggänger.

Auch Akustiker.

 
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