Mürren Mon Amour

Zwischen Höhenluft und Herz

Eine Liebeserklärung. An den Ort, das Leben in der Höhe. An Gedanken. Hier treffen Höhenluft, Herz und Horizont aufeinander. Zwischen Bergnebel und Klarheit über das, was bewegt. Innen wie aussen. Über Mürren als Idee, Projektion, Zwischenort, Möglichkeit.

 
Wetter Daniel Frei Wetter Daniel Frei

Niesel.

Manches entzieht sich der Sprache. Weil es zu fein ist. Zu leise. Und zu wenig entschieden.

Manches entzieht sich der Sprache. Weil es zu fein ist. Zu leise. Und zu wenig entschieden.

MRRN: Drizzle. Fotografie: Daniel Frei

Die App sagt: «Niesel». Oder Sprühnebel. Oder Nieselregen. Oder Sprühregen. Wörter, die alle treffen und doch danebenliegen. Sie beschreiben das Phänomen, nicht das Gefühl. Niesel aber ist kein Wetter. Es ist eine Übergangsform.

Zwischen Nebel und Regen.
Zwischen Sommer und Herbst.
Zwischen Sicht und Verschwinden.
Zwischen Berührung und Durchdringung.

Man geht hinaus und merkt es nicht sofort. Kein Regen, der fällt. Nichts Tropfendes, nichts Messbares, ein Schweben eher, ein feiner, zögerlicher Umstand. Der Nebel hat sich entschieden, näher zu kommen, nicht mehr Raum, sondern Kontakt zu sein.

Dann ist er da.

Auf der Haut.
Auf den Wimpern.
Den Lippen.

Eine Idee von Wasser.

Man wird nicht nass. Nicht ‘mal richtig feucht. Doch die Welt bekommt einen Film, spürbar.

Niesel ist Intimität.

Er ist das Gegenteil von Distanz und der Raum zwischen dir und der Welt löst sich auf. Es gibt kein Dazwischen mehr, alles ist leicht verbunden und durchlässig.

In Mürren, wenn das Wolkenmeer steigt und sich in die Wege legt, wird er körperlich. Die Berge treten zurück. Nicht verschwunden, halt weniger insistierend. Der Schwarzmönch wird zur Ahnung, die Jungfrau zur Linie, die sich gleich wieder auflösen könnte.

Und du gehst.

Nicht zielgerichtet.
Nicht verloren.
Einfach darin.

 
Weiterlesen