Mürren mon Amour

Zwischen Höhenluft und Herz

Eine Liebeserklärung. An den Ort, das Leben in der Höhe. An Gedanken. Hier treffen Höhenluft, Herz und Horizont aufeinander. Zwischen Bergnebel und Klarheit über das, was bewegt. Innen wie aussen. Über Mürren als Idee, als Zwischenort, als Möglichkeit.

 
Feldnotiz Daniel Frei Feldnotiz Daniel Frei

Pilz.

Die ersten Pilze stehen wieder im Gras: unentschieden darüber, ob die Saison bereits begonnen hat.

Die ersten Pilze stehen wieder im Gras; vereinzelt, noch etwas vorsichtig. Unentschieden darüber, ob die Saison bereits begonnen hat.

MRRN: Pilz. Fotografie: Daniel Frei

Nach diesem heissen, trockenen Sommer war lange nichts zu sehen. Die Wiesen wurden zwar heller. Der Boden härter. Das Moos spröder.

Aber jetzt plötzlich: ein Pilz.

Breit, dunkel, feucht glänzend. Zwischen Gras, Zapfen und altem Holz. Kein eleganter Vorbote, eher ein kräftiges Lebenszeichen aus dem Boden. Welche Art es genau ist, lässt sich durch mich nicht sicher bestimmen. Für eine Naturbeobachtung genügt zunächst: Er ist da.

Pilze erscheinen ohnehin nie aus dem Nichts. Was wir sehen, ist nur der Fruchtkörper. Der grössere Teil lebt verborgen im Boden, als feines Geflecht zwischen Wurzeln, Holz und Erde. Unsichtbar, bis Feuchtigkeit und Temperatur irgendwann stimmen.

Dann poppen sie auf.

Einer.

Dann vielleicht drei.

Dann überall.

Wie die kommende Pilzsaison wird, weiss noch niemand. Nach einem solchen Sommer könnte sie karg ausfallen. Oder spät. Oder nach einigen Regentagen plötzlich so üppig, als hätte der Wald die ganze Zeit nur gewartet.

Pilze sind in dieser Hinsicht wenig auskunftsfreudig.

Sie machen keine Prognosen.

Sie erscheinen.

Dieser hier hat damit begonnen.

 
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