Pulver, gut.

Mürren, frühmorgens. Fünf bis acht Zentimeter Neuschnee über Nacht. Kein Alibischnee, sondern brauchbarer: pulvrig. Die Spuren im Schnee der Ersten waren bei der zweiten Morgenrunde bereits wieder verschwunden. Der Winter ist jetzt offiziell im Dienst.

Es schneit in der Nacht und es schneit weiter. Genug, um Spuren zu löschen und neue zu erzwingen. Am Morgen liegt frischer Schnee auf allem, was gestern noch eine Meinung hatte. Fünf bis acht Zentimeter, sagt mein Auge. Der Fuss sagt: Stimmt, vielleicht sogar etwas mehr. Der Schnee ist leicht. Pulver. Er staubt beim Gehen. Er fliegt und wirbelt beim Schaufeln. Er bleibt nicht kleben; er widersetzt sich nicht. Ein angenehmer Mitarbeiter des Winters, kein Saboteur.

Und: Es ist wärmer geworden. Null Grad. Keine Minussechzehn mehr. Die Kälte, die zuletzt alles verhärtet hat, ist abgezogen. Der Schnee dankt es mit Kooperationsbereitschaft. Die Finger und die Nasenspitze auch.

Im Dorf tauchen sie wieder auf. Schneemänner. Schneefrauen. Provisorisch gebaut, leicht schief, mit der Ernsthaftigkeit und dem Wissen, dass sie nicht lange bleiben werden. Sie stehen vor Häusern, auf Terrassen, an Wegrändern. Kleine, weisse Meldungen: Es ist Winter.

Die Geräusche sind zurück, aber andere als zuvor. Kein Eis, das schreit. Kein Boden, der widerspricht. Stattdessen dieses gedämpfte, trockene Auftreten, das man nur bei frischem Schnee hört. Schritte klingen jetzt wieder nach Bewegung, nicht nach Warnung.

Mit dem Pulver kommt der Alltag zurück. Die, die müssen, müssen wieder früher auf und raus. Nicht aus Romantik, aus Notwendigkeit. Schnee fällt nicht von allein weg. Er will gemanagt werden. Wege, Treppen, Zufahrten. Alle wissen, was zu tun ist; niemand muss es erklären und man hilft einander bei der Sortierung und Ordnung. Schaufeln sind in Betrieb. Türen gehen früher auf. Maschinen brummen kurz, dann wieder Stille. Der Schnee zwingt zu Disziplin, aber er belohnt sie mit Ordnung.

Die Gäste sind noch nicht zurück, aber Mürren ist bereit. Januar, Februar, Wochenenden: Skis, Boards, Schlitten, Curlingsteine, Menschen, die genau für dieses Pulver gemacht sind. Mürren macht sich januarwinterschön. Ohne weiteres Aufheben.

Der Nebel hängt noch immer tief. Die Berge sind anwesend, aber diskret. Sie lassen dem Dorf die Bühne.

Zusammengefasst: Pulver. Null Grad. Und Zentimeter, die reichen, um alles zu verändern.

Meldung aus Mürren. Der Winter arbeitet wieder.

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Der Brunnen.