Mürren mon Amour

Zwischen Höhenluft und Herz

Eine Liebeserklärung. An den Ort, das Leben in der Höhe. An Gedanken. Hier treffen Höhenluft, Herz und Horizont aufeinander. Zwischen Bergnebel und Klarheit über das, was bewegt. Innen wie aussen. Über Mürren als Idee, als Zwischenort, als Möglichkeit.

 
Feldnotiz Daniel Frei Feldnotiz Daniel Frei

Mutterkuh.*

Wer das Warnschild erkennt, ist bereits gut unterwegs.

Das Warnschild auf dem Bild wirkt deshalb etwas überflüssig und gleichzeitig sehr nötig. Wer die Verbindung erkennt, ist bereits gut unterwegs.

MRRN: Mutterkuh. Fotografie: Daniel Frei

Die Kleinen fressen, dösen, spielen, stehen etwas abseits oder dicht bei der Mutter. Die Kühe tun, was Kühe tun:

Sie passen auf.

Mutterkühe haben einen ausgeprägten Schutzinstinkt. Kommt jemand der Herde, besonders einem Kalb, zu nahe, kann aus einem friedlich grasenden ziemlich schnell ein resolutes Muttertier werden. Wandernde mit Hunden sind dabei besonders heikel: Hunde können von Rindern als Bedrohung wahrgenommen werden. Die wichtigste Regel:

Abstand.

Nicht zwischen Kuh und Kalb hindurchgehen. Kälber nicht anfassen. Die Herde grosszügig umgehen. Stehen die Tiere auf dem Weg, wartet man, weicht aus, kehrt notfalls um und geht einen Umweg. Der Wanderweg besitzt kein Vortrittsrecht gegenüber einer Mutter.

Meist kündigt eine Kuh an, wenn ihr etwas nicht gefällt.

Sie richtet ihre Aufmerksamkeit plötzlich auf einen.

Hebt und senkt den Kopf.

Schnaubt.

Scharrt.

Muht vielleicht.

Die Herde wird unruhig.

Spätestens dann ist die Diskussion beendet. Ruhig bleiben. Abstand vergrössern. Langsam zurückweichen. Nicht rennen, nicht provozieren, nicht versuchen, doch noch irgendwie durchzukommen. Die Schweizer Wanderwege empfehlen bei Mutterkuhherden ausdrücklich: Distanz halten, Kälber nie berühren, Hunde an kurzer Leine führen. Greifen Kühe einen angeleinten Hund tatsächlich an, Leine loslassen und dem Hund die Flucht ermöglichen.

Das Warnschild auf dem Bild wirkt deshalb etwas überflüssig und gleichzeitig sehr nötig.

Darauf ist eine Kuh.

Daneben stehen Kühe.

Wer die Verbindung erkennt, ist bereits gut unterwegs.

Und wer sie nicht erkennt, sollte vielleicht trotzdem umdrehen.

Die Mutter entscheidet.

*Dieser Text basiert auf Empfehlungen der Schweizer Wanderwege.

 
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