Mürren Mon Amour

Zwischen Höhenluft und Herz

Eine Liebeserklärung. An den Ort, das Leben in der Höhe. An Gedanken. Hier treffen Höhenluft, Herz und Horizont aufeinander. Zwischen Bergnebel und Klarheit über das, was bewegt. Innen wie aussen. Über Mürren als Idee, Projektion, Zwischenort, Möglichkeit.

 
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Biber.

Nicht am einsamen Fluss, nicht in wildester Wildnis, unter der Brücke beim Bahnhof Zürich.

Meine erste Bibersichtung überhaupt. Nicht am einsamen Fluss, nicht in wildester Wildnis, unter der Brücke beim Bahnhof Zürich. Zur morgendlichen Stosszeit.

MRRN: Biber. Fotografie: Daniel Frei

Sie kommen an, sie fahren ab. Menschen. Züge. Trams. Velos. Und in der Limmat schwimmt der Biber. Meine erste Bibersichtung überhaupt. Idealisiert hätte ich dafür wohl einen abgelegeneren Ort vorgesehen. Auen, einen stillen Fluss, ‘was mit Wald.

Der Biber hatte andere Pläne, schwamm unter der Brücke, wenige Meter von einem der geschäftigsten, wenn nicht hektischsten Orte Zürichs entfernt. Er wirkte auf mich unbeeindruckt davon. Wie ein weiterer Pendler, nur ohne Gepäck und ohne Fahrplan. Und vermutlich mit der besseren Verbindung.

Wir teilen die Welt gern ein: hier Stadt, dort Natur. Hier Zürich, dort Mürren. Hier Bahnhof, dort Wildnis. Am Biber sind diese Kategorien vorbeigegangen.

Wasser, etwas Ufer, Nahrung: Der Rest ist unsere Angelegenheit. Und plötzlich findet man Wildnis dort, wo man sie nie gesucht hätte.

Heute Morgen also: Zürich Hauptbahnhof, Limmat, Biber. Wohin und ob er musste, ist unklar. Verspätung hatte er keine.

 
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Flohmi.

Zweimal Zermatt, dazwischen Mürren.

Zweimal Zermatt, dazwischen Mürren.

MRRN: Flohmi. Fotografie: Daniel Frei

Flohmi. Man schaut, nimmt etwas in die Hand, stellt es wieder zurück. Dann liegt da Mürren. Unvermittelt. Eine alte touristische Darstellung, etwas abgegriffen, mit Kühen im Vordergrund und Bergen dahinter. Unten gross der Name:

MÜRREN.

Darunter, zur Sicherheit:

BERGBAHN.
1650 M.ü.M.
FUNICULAIRE.
SUISSE.
BERNER OBERLAND.
SWITZERLAND.

Man wollte offenbar keine Missverständnisse.

Darüber lag Zermatt.

Matterhorn.

ZERMATT.

Darunter ebenfalls Zermatt.

Matterhorn.

ZERMATT.

Das Matterhorn brauchte schon damals wenig Erklärung. Ein Berg. Ein Name. Fertig. Mürren musste etwas mehr auffahren. Kühe. Bergwelt. Bergbahn. Höhe. Land. Region. Und nochmals Land, diesmal international verständlich.

Frühes alpines Standortmarketing. Das Matterhorn war bereits eine Marke, bevor irgendjemand von Marken sprach. Mürren erst ein Versprechen, das noch etwas erläutert werden musste.

Das Interessantere war aber etwas anderes. Ich stand mitten in Zürich, ein paar Strassen von meiner Wohnung entfernt, und vor mir lag plötzlich Mürren. Weder gesucht noch angekündigt. Einfach zwischen zwei Zermatts.

Offenbar nimmt man einen Ort so sehr mit sich, dass er beginnt, an anderen Orten aufzutauchen. Auf Flohmärkten, in alten Bildern, in Gesprächen. Ich habe Mürren genommen. Die beiden Zermatts blieben liegen.

Man muss nicht alles sammeln.

 
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