Mürren Mon Amour
Zwischen Höhenluft und Herz
Eine Liebeserklärung. An den Ort, das Leben in der Höhe. An Gedanken. Hier treffen Höhenluft, Herz und Horizont aufeinander. Zwischen Bergnebel und Klarheit über das, was bewegt. Innen wie aussen. Über Mürren als Idee, Projektion, Zwischenort, Möglichkeit.
Grüne Weihnachten.
Kein Schnee. Stattdessen Gras, Moos, nasse Wege und eine Landschaft, die sich weigert, unsere inneren Postkarten zu bestätigen. Aber grüne Weihnachten in Mürren sind kein Mangel. Sie sind eine Zumutung. Und ein unerwartetes Geschenk.
Zwischen dem, was trägt, und dem, was berührt.
Mürren ist kein Ziel, sondern eine Schwelle. Wer hier ankommt, lässt mehr zurück als Strecke und Höhenmeter: Tempo, Lärm, Gewissheiten.
Hôrs-Saison.
Die Hôrs-Saison liegt über Mürren wie eine zweite Schneeschicht. Sie dämpft die Geräusche, verlängert die Schritte, öffnet Räume, die in der Hochsaison immer schon belegt sind, bevor man überhaupt weiss, dass man sie gebraucht hätte.
Wandel und Veränderung.
Hier oben in Mürren wandelt das Wetter. Es zieht, es reisst auf, es fällt nieder. Wolken kommen, Wolken gehen. Die Sonne taucht durch ein Loch im Nebel, als hätte sie vergessen, dass sie noch da ist.
Migration.
Mürren lebt von Migrationen. Von jenen, die täglich durchs Dorf ziehen, und jenen, die nur einmal im Jahr erscheinen. Von Tieren, Gästen, Zweitwohnenden, Saisonierenden und den Einheimischen, die das Ganze zusammenhalten.
Wenn es auf Bali regnet und in Mürren schneit.
Auf Bali beginnt die Regenzeit. In Mürren beginnt der Winter. Dort fällt Wasser in Tropfen, hier in Flocken. Beides dasselbe Element, in unterschiedlichen Aggregatzuständen, verschiedenen Temperaturen, verschiedenen Geschichten.
Heimweh.
Menschen haben ein Zuhause. Andere haben mehrere. Oder keines. Zwischen diesen Zuständen spannt sich ein stilles Drama, das wir «Heimweh» nennen.
Ich wollte eigentlich immer ans Meer.
Ein leiser Text über Sehnsucht, Stillstand und das Bleiben. Über das Meer als Metapher für Ferne und den Berg als Schule der Nähe.
Nachts sehe ich nur Stille.
Sie fällt leise, wenn sie fällt, die Nacht über Mürren. Weder Tosen noch Poltern, auch kein Hupen, keine Sirenen, kein Scheinwerfergewitter. Nur dunkel, einfach dunkel, das sich ausbreitet wie ein samtenes Tuch.
Zwölf Grad zu viel: die Alpen, die wir verlieren.
Hochsommer in Mürren. Zwölf Grad über dem langjährigen Tageshöchstwert. Die Bergluft ist warm wie in der Toskana, der Himmel klar wie der Bergbach, die Terrasse voll wie die Gondeln.
Dem Himmel ganz nah.
Mürren ist keine Flucht. Mürren ist Erinnerung. An das, was zählt. An das, was bleibt. Und an das, was sich nicht in Worte fassen lässt, sondern nur in einem Blick nach oben.
Nebel.
Mürren kennt den Nebel. Der Nebel kennt Mürren. Er steigt nicht einfach auf, er erscheint. Wie ein Gedanke, der sich zuerst nicht fassen lässt.
Je vis au Paradis.
Ein Satz wie ein Bergbach: klar, einfach, wahr. Gesagt von Päsci, mehr als Koch der alten Metzg, während er mit ruhigen Händen und einem warmen Lächeln den Dampf aus den Kochtöpfen steigen lässt.
Weggehen und Heimkehren, von Mürren aus betrachtet.
Mürren: Wer hier lebt, lebt zwischen Himmel und Erde, zwischen Abgrund und Geborgenheit. Wer hinuntergeht, ahi gaht, lässt nicht einfach nur einen Ort zurück, sondern eine Welt. Und wer wieder heraufkommt, uehi chunt, kehrt nicht nur heim, sondern zurück zu sich selbst.
Ein Dorf dazwischen.
Mürren. Nicht einfach auf, sondern zwischen den Bergen. Eingeklemmt zwischen zwei Bahnen, zwei Bächen, balanciert auf einer Terrasse namens Fluh, öffnet sich das Dorf zu einer Arena aus Fels und Himmel.
Ithaka liegt auf 1’650 m ü. Meer: Eine Mürren-Odyssee.
Ithaka ist eine Sehnsucht. Eine Rückkehr zu etwas, das wir noch nicht kennen und längst vermissen. Wer Mürren erreicht, ist nicht einfach angekommen. Sondern weitergereist.
Inseln in der Zeit
Auf den Azoren beginnt ein Gedanke, der über das Meer hinweg nach Mürren führt. Zwei Orte verbunden durch dasselbe leise Gefühl: Abwesenheit.
Manifest aus Mürren.
MRRN ist ein Möglichkeitsraum. Eine Haltung, die von Mürren aus die Welt denkt und sieht. Poetisch, widersprüchlich.
Ich Walfisch.
Er war zuerst ein Gefühl. Dann ein Schatten. Dann ein Sujet. MRRN Plage «Walfisch» war, ist das erste Bild. Es ist ein Auftauchen.

