Mürren Mon Amour
Zwischen Höhenluft und Herz
Eine Liebeserklärung. An den Ort, das Leben in der Höhe. An Gedanken. Hier treffen Höhenluft, Herz und Horizont aufeinander. Zwischen Bergnebel und Klarheit über das, was bewegt. Innen wie aussen. Über Mürren als Idee, Projektion, Zwischenort, Möglichkeit.
Salz und Schnee.
Schnee fällt. Salz bleibt zurück. Das eine deckt zu. Das andere dringt ein.
Soleïade.
Ich dachte, Zeit entstehe durch Veränderung. Am Meer verliert diese Vorstellung ihre Autorität.
Mal de débarquement.
Das Wasser endet nicht am Ufer. Es verlagert sich. In den Körper. In den Schritt. Und voraus, in die Gondel nach Mürren.
Am Meer.
Ich wollte eigentlich immer schon ans Meer. Wegen dieser stillen Verschiebung, in der Dinge ihre Ordnung verlieren, ohne auseinanderzufallen.
Glas.
Geschlossen ist in Mürren nur eine Momentaufnahme. Ein Dorf, das gerade nicht empfängt, sondern innehält. Genau darin beginnt eine andere Form von Begegnung.
Stromausfall.
Jede Vereinfachung ist eine Verdichtung. Von Verantwortung. Von Last. Von Risiko. Vorübergehend nur noch diese eine Linie, die alles trägt. Und alles entscheidet.
Dunge isch scho Früehlig
Unten ist der Frühling längst angekommen. Oben hält der Winter die Stellung. Dazwischen liegt ein Weg, der mehr ist als nur eine Strecke ins Unterland.
Schnee, nonstop.
Was erst als beiläufiger Nachschnee angekündigt war, wurde zum entschlossenen Comeback. Der Winter kehrt zurück, nicht vorsichtig, mit Nachdruck.
Sommerzeit.
Die Uhr springt vor, der Kalender behauptet Fortschritt. In Mürren bleibt alles stehen. Schnee, Nebel, Wind. Die Berge schweigen. Sommerzeit ohne Sommer.
Nachschnee.
Ende März. Der Winter hätte längst abtreten sollen, können, dürfen. Die Saison sich leise verabschieden. Stattdessen fällt noch einmal Schnee, schwer, dicht, unablässig. Mürren merkt, dass der Winter nicht einfach geht, wenn man es beschlossen hat.
Zwei Sonnenaufgänge.
Zwei Sonnenaufgänge an einem Morgen. Einer hoch oben, weit, still und umfassend. Einer unten in Mürren, näher, tastend, beinahe intim.
Don’t eat the yellow snow.
Neongelb ist in Winter-Mürren keine Farbe, sondern ein Ereignis. Ein Signal. Ein kurzer Riss in der weissen Ordnung. Über Warnfarben, Rettungshubschrauber und die kleinen, ehrlichen Zeichen des Lebens.
MRRN Plage.
Was entsteht, wenn ein Ort nicht sofort gefüllt wird? MRRN Plage ist eine Arbeit über Leere, Höhe und Vorstellungskraft. Ein Strand über den Wolken. Gestaltet in Mürren.
Pulver, gut.
Mürren, frühmorgens. Fünf bis acht Zentimeter Neuschnee über Nacht. Kein Alibischnee, sondern brauchbarer: pulvrig. Der Winter ist jetzt offiziell im Dienst.
Der Brunnen.
Der Brunnen im Dorf läuft über. Nicht, weil es zu viel Wasser gäbe, sondern weil es keinen Weg mehr nach unten findet. Der Abfluss ist zu. Eis. Gefroren. Eine Blockade, die genügt, um das System aus dem Takt zu bringen.
I, King.
Dreikönigstag: ein leiser Feiertag. Kein Lärm. Kein Feuerwerk. Kein Konsumrausch. Und das ist sein Ernst. Die Krönung, um die es geht, findet nicht draussen statt. Sie findet innen statt. Und sie braucht kein Publikum.
Täuschung.
Auch der Winter kann tricksen. Er zeigt sich weiss, schweigt höflich und legt sich sanft über die Dinge. Und doch ist da etwas anders. In Mürren fiel kein Schnee. Es fiel Nebel, der beschlossen hatte, nicht mehr Nebel zu sein.
Winterferien.
In den Winterferien ist Mürren ein anderes Dorf. Dasselbe Panorama, dieselben Häuser, dieselben Berge. Aber es verschiebt sich etwas. Der Takt. Der Atem. Die Lautstärke.
Der Eiger gebärt die Wolken.
Manchmal wirkt es, als hätte der Eiger beschlossen, selbst Himmel zu spielen. Dann hebt er an zu atmen, zu pressen, zu schaffen. Und plötzlich ist da etwas Neues in der Luft.

